Arbeitskleidung - was muss mein Chef bereitstellen?

Der Kollege schneidet mit einem Cuttermesser ein Kabel, bekommt es aber nicht durch, wird wütend, hält es schließlich falsch und rutscht ab. Schon ist es passiert… . Er hat sich geschnitten oder mit der Spitze gestochen.

Rund 874.000 Arbeitsunfälle gab es im Jahr 2017 in Deutschland. Damit ist die Anzahl zwar so niedrig wie noch nie, aber trotzdem immer noch sehr hoch. Das Arbeitsschutzgesetz soll diese Unfälle verhindern. Wir erklären Dir, welche Schutzmaßnahmen Dein Arbeitgeber treffen muss und was Du beachten solltest.      

Unfälle vermeiden

Das Arbeitsschutzgesetz regelt in Deutschland die Sicherheit am Arbeitsplatz. Die dort enthaltenen Vorschriften sollen dabei helfen, Unfälle während der Arbeitszeit zu vermeiden und menschengerechte Arbeitsbedingungen schaffen. Dazu zählt zum Beispiel, dass Du nicht ständig bei der Arbeit über- oder unterfordert bist. Das Gesetz bildet die Grundlage dafür, dass ein gutes Arbeitsverhältnis überhaupt erst entstehen kann. Dazu gibt es jede Menge Verordnungen wie zum Beispiel zum Lärmschutz oder für den Umgang mit Gefahrstoffen, die das Gesetz noch genauer beschreiben.     

Gefahren frühzeitig erkennen

Laut Arbeitsschutzgesetz ist Dein Arbeitgeber dazu verpflichtet, mögliche Gefahren am Arbeitsplatz zu entdecken und im Zweifel notwendige Schutzmaßnahmen zu treffen. Eine solche Gefahrenquelle ist zum Beispiel ein meterhohes, wackliges Regal. Dein Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass dieses Regal niemandem gefährlich wird, indem er es fest an der Wand anbringt oder gegebenenfalls ein neues kauft. Dieser Vorgang nennt sich Gefährdungsbeurteilung und ist ein zentrales Element des Arbeitsschutzes. Dabei geht es nicht nur um Gefahren durch herunterfallende Gegenstände oder kaputte Geräte, sondern ausdrücklich auch um psychische Faktoren. Dabei wird beispielsweise geprüft, ob Du unter ständigem Zeitdruck oder überwiegend allein arbeitest und die Kollegen nie siehst.Die genaue Durchführung dieser Beurteilung ist im Gesetz nicht genau beschrieben. Es gibt also kein festgelegtes Vorgehen, dafür aber sieben Schritte, an denen sich Arbeitgeber orientieren können. Zusätzlich hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Leitlinie für die Gefährdungsbeurteilung veröffentlicht. Verstöße gegen den Arbeitsschutz werden mit einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro geahndet. Wird durch eine vorsätzliche Handlung das Leben oder Gesundheit eines Beschäftigten gefährdet, ist es sogar möglich, dass der Verantwortliche ins Gefängnis muss – für bis zu einem Jahr[FK1]. Dein Chef ist außerdem dazu verpflichtet, Dich und Deine Kollegen über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit aufzuklären.

Deine Pflichten…

Wenn Dein Arbeitgeber mögliche Gefahrenquellen erkannt hat, muss er entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen, um Dich und Deine Kollegen zu schützen. Dazu zählt beispielsweise die Bereitstellung der persönlichen Schutzausrüstung. Dazu zählen Sicherheitsschuhe, Atemschutz oder ein Schutzhelm. Die Ausrüstung richtet sich logischerweise danach, was Du auf der Arbeit zu tun hast. Laut Arbeitsschutzgesetz bist Du verpflichtet, diese Schutzkleidung auch zu tragen. Tust Du das trotzdem nicht, musst Du mit einer Abmahnung rechnen. Im Gesetz steht auch, dass Du Maschinen, Geräte und Transportmittel nur so verwenden darfst, wie es vorgeschrieben ist. Dass Du ein Rennen mit Deinem Gabelstapler gegen einen anderen Kollegen fährst, ist also nicht gerade die beste Idee. Außerdem musst Du Deinen Chef sofort informieren, wenn Dir selbst Dinge auffallen, die gefährlich werden könnten.

Und Rechte...

Aber auch wenn von einer alten Maschine noch keine Gefahr ausgeht, hast Du jederzeit das Recht, beim Betriebsrat oder direkt bei Deinem Vorgesetzten Verbesserungsvorschläge zu machen. Wenn Du konkrete Beweise hast, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen nicht ausreichen und Dein Betrieb trotzdem nichts unternimmt, darfst Du Dich an die zuständige Behörde wenden. Das Gesetz garantiert, dass Dir daraus kein Nachteil entstehen darf.

Verletzungsrisiko minimieren

Doch allen Maßnahmen und Gesetzen zum Trotz gibt es immer wieder Arbeitsunfälle mit teils schweren Verletzungen. Viele Unfälle passieren, weil jemand müde oder unkonzentriert ist oder eine Situation falsch einschätzt. Um Dich und Deine Kollegen nicht zu gefährden, solltest Du bei solchen oder ähnlichen Anzeichen eine kurze Pause einlegen oder Kollegen bitten, Dich bei Deiner Aufgabe zu unterstützen. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht. Sollte es trotzdem zu einem Unfall kommen, haben wir in diesem Beitrag für Dich zusammengefasst, was Du zu tun hast.

 

 

[FK1]Quelle http://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__26.html