Arbeitsunfall: Und was nun?

Autsch, das tat weh! Meine Kollegin Ulrike ist im Treppenhaus gestürzt. Dabei wollte sie nur schnell die Reisekostenabrechnung in die Buchhaltung bringen. Die zuständige Kollegin sitzt eine Etage tiefer. Und weil seit Montag Fitness Challenge im Büro ist, nehmen alle Kollegen fleißig die Treppe statt des Aufzugs. Aber Ulrike beschert die Fitness Challenge vor allem eine Platzwunde am Kopf und ein zerbrochenes Brillenglas. Wie Ulrike geht es auch anderen Arbeitnehmern in deutschen Büros: Sie hatte einen Arbeitsunfall.


Was tun nach einem Arbeitsunfall?

Der Schock nach einem Arbeitsunfall ist erstmal groß. Wichtig ist eine schnelle ärztliche Versorgung, idealerweise von einem Durchgangsarzt. Dies ist ein Facharzt für Chirurgie oder Orthopädie. Wenn abzusehen ist, dass der Mitarbeiter länger als drei Tage arbeitsunfähig ist, muss der Arbeitgeber den Unfall bei der gesetzlichen Unfallversicherung melden. Dem verunglückten Mitarbeiter steht eine Kopie von der Unfallanzeige zu. Er sollte darauf bestehen, sich diese aushändigen zu lassen.

Was ist (k)ein Arbeitsunfall?

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr über 876.000 Arbeitsunfälle gemeldet. Diese Zahl lag vor 25 Jahren noch bei knapp 1,9 Millionen. Doch was ist eigentlich ein Arbeitsunfall? Fachleute sprechen von einem Arbeitsunfall, wenn versicherte Personen während der Ausübung einer versicherten Tätigkeit einen Unfall erleiden. In diesem Fall bietet die gesetzliche Unfallversicherung Schutz. Auch der Unfall von Ulrike ist ein klassischer Arbeitsunfall. Wäre sie jedoch in der Mittagspause spazieren gegangen und dabei gestürzt, wäre sie nicht gesetzlich unfallversichert. Das hat das Hessische Landessozialgericht im Juli 2019 entschieden. Ein Arbeitnehmer verließ mittags das Firmengebäude für einen Spaziergang und stürzte über eine Steinplatte. Dabei verletzte er sich an den Handgelenken und am Knie. Die Richter begründeten die Entscheidung, dass Spazierengehen nicht zu seiner beruflichen Tätigkeit gehört und mit Einkaufen oder Joggen vergleichbar sei.

Zu einer ähnlichen Entscheidung kamen die Richter in folgendem Fall: Eine Arbeitnehmerin ist während einer Dienstreise gestürzt, während sie ein privates Telefonat führte. Da das Telefonat nicht im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit stand, kann sie es nicht als Arbeitsunfall geltend machen.

Zum Glück wird meiner Kollegin Ulrike die zerbrochene Brille ersetzt. In der Regel ersetzt die gesetzliche Unfallversicherung nämlich keine Sachwerte bei einem Arbeitsunfall. Einzige Ausnahme sind Sachschäden, die beim Leisten der Ersten Hilfe entstehen wie zerrissene Kleidung oder durch den Unfall beschädigte Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine Brille.

Übrigens besteht kein Versicherungsschutz, wenn Verletzungen oder Gesundheitsschäden ohne Einwirkung von außen ganz zufällig während der versicherten Tätigkeit auftreten. Wenn also zum Beispiel ein Mitarbeiter am Schreibtisch einen Herzinfarkt erleidet. So etwas möchte natürlich niemand (mit)erleben.

Tipps für Vermeidung von Arbeitsunfällen

Damit es im Büro gar nicht erst zu einem Arbeitsunfall kommt, sollte der Arbeitgeber Maßnahmen zur Vermeidung ergreifen. Er hat schließlich eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Angestellten. Dazu zählen zum Beispiel eine sichere Arbeitsumgebung, Ausstattung mit Sicherheitskleidung, wenn es für die Ausübung der Tätigkeit notwendig ist, oder auch Mitarbeiterschulungen zur Risikovermeidung.

Werfen Sie doch mal einen Blick unter Ihren Schreibtisch. Frei herumliegende Kabel oder Gegenstände entdeckt? Diese sind eine echte Stolperfalle. Bündeln Sie die Kabel mit einem Kabelbinder und räumen Sie den Fußboden sofern möglich frei. In überladenen Büroräumen stolpert oder stößt man sich in der Regel schneller als in aufgeräumten.