Blick über die Grenze – Teil 1: Zeitarbeit in Frankreich

Zeitarbeit ist nicht nur in Deutschland ein Weg, wie Unternehmen und Jobsuchende kurzfristig zusammenfinden. Das Modell der Arbeitnehmerüberlassung wird auch in unseren europäischen Nachbarländern erfolgreich praktiziert – zum Teil aber ganz anders als hierzulande. Wie es jenseits der deutschen Grenzen um die Zeitarbeitsbranche bestellt ist, wollen wir in einer kleinen Artikelserie ab heute beschreiben.

Frankreich

Schauen wir als erstes nach Frankreich. Unser Nachbarland durchlebt aktuell wirtschaftlich schwierige Zeiten. Die Konjunktur schwächelt weiter, die Arbeitslosigkeit ist 2014 auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Daher verwundert es nicht, wenn auf der einen Seite Unternehmen nach flexiblen Personallösungen suchen, auf der anderen Seite Jobsuchende verschiedene Alternativen in Betracht ziehen, um Arbeit zu finden.

Zeitarbeit ist in Frankreich jedoch anders geregelt als in Deutschland. In Frankreich werden die Zeitarbeitnehmer beispielsweise nur für die Zeitspanne angestellt und bezahlt, in der sie auch im Arbeitseinsatz sind. Dies nennt man in der Branche auch das „Agenturprinzip“. In Deutschland dagegen werden sie von Personaldienstleistern dauerhaft beschäftigt, haben Urlaubsanspruch, genießen Kündigungsschutz und bekommen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Zeitarbeitnehmer haben in Frankreich also weniger Sicherheit. Sie werden zwangsläufig wieder arbeitslos, sobald auf einen Arbeitseinsatz nicht direkt ein weiterer folgt. Sozusagen als Zugeständnis für die fehlende Sicherheit erhalten Zeitarbeiter in Frankreich eine Prämie, nämlich zehn Prozent mehr Gehalt als die Stammbelegschaft des Unternehmens, in dem sie im Einsatz sind.

Obwohl das System sich also grundlegend vom deutschen unterscheidet, hat Zeitarbeit bei französischen Arbeitnehmern einen guten Ruf. Die französische Zeitung Le Figaro berichtete im Dezember 2013 über eine Studie, nach der knapp die Hälfte der Jobsuchenden in Frankreich der Meinung sind, Personaldienstleister könnten ihnen bei der Stellensuche weiterhelfen. Die Untersuchung wurde vom Personalvermittler Prism’emploi und dem Jobportal Meteojob duchgeführt. 2.160 Beschäftigte, Zeitarbeiter und Jobsuchende wurden dafür befragt.

Das Zeitarbeit als Chance wahrgenommen wird, belegen weitere Zahlen aus der Studie: 82 Prozent der Zeitarbeitnehmer haben sich für diesen Weg entschieden, um darüber eine Festanstellung zu erlangen. 59 Prozent glauben daran, dass Zeitarbeit die Chance erhöht, schnell einen festen Job zu finden. Für 46 Prozent stellt Zeitarbeit als Gelegenheit dar, verschiedene Branchen und Unternehmen kennenzulernen. Und schließlich sagen 66 Prozent derjenigen, die inzwischen in einem festen Arbeitsverhältnis sind, dass die Erfahrung der Zeitarbeit ihr Selbstvertrauen gestärkt hat.

 

Prism’emploi-Chef Gilles Lafon begründet die Ergebnisse mit einer hohen Filialdichte der Zeitarbeitsfirmen im ganzen Land, mit deren Verständnis für lokale Gegebenheiten und ihrem engen Verhältnis zu den Kundenunternehmen.

 

Im zweiten Teil unserer Serie „Blick über die Grenze“ werden wir uns mit Zeitarbeit in Großbritannien beschäftigen.