Cremig, nein fruchtig – eiskalt Geld verdienen

„Das ist für mich eine glatte ‘fünf“. Wenn Andrea Fritz­sche an ihrem Eislöffel lutscht und diese Note vergibt, freut sich Lebensmittelbranche. Und wir Verbraucher uns auch: Das bedeutet, das kommende Magnum und Cornetto werden ein Renner in den Eistruhen. Denn Andrea Fritz­sche ist Eis-Testerin. In Teil 2 unsere JOBlog-Serie „Was macht eigentlich…?“ stellen wir den außergewöhnlichen Beruf vor.

 

Joblog Eistester

JOBlog-Serie Teil 2: Was macht eigentlich…ein Eis-Tester?

Jeden Tag leckere Eiskugeln schlecken: Klingt mehr nach Kindertraum als nach echter Arbeit, für die man monatlich Geld auf das Konto überwiesen bekommt. Doch den Beruf gibt es wirklich. Als geschulter Prüfer bekommt man in seiner Arbeitszeit alle handelsüblichen Eisformen vorgesetzt. Die reichen von der Eiswaffel über Eis am Stiel bis hin zur Vorratspackung. 

Eis-Testerin: Die Frau  hat Geschmack

Ist das Joghurteis eventuell unnatürlich süß? Hat das Walnusseis womöglich eine bittere Note? Andrea Fritz­sche und ihre Eis-Tester-Kollegen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) finden es heraus. Ihre durchtrainierten 9.000 Geschmackssensoren schlagen bei minimalen Abweichungen Alarm. Denn wer meint es reicht, Nuss von Nougat zu unterscheiden, der irrt: Allein für Vanilleeis gibt es rund 100 Rezepturen. Zunge und Geruchssinn brauchen viel Übung, bis die Sensorik im Mund richtig eingestellt ist.

Eis-Tester arbeiten häufig in den Laboren der Eiscreme-Hersteller. Sie wollen sichergehen, dass der Flutschfinger nicht auf einmal wie Capri Sonne schmeckt und Domino nicht nach Dolomiti. Dafür probieren sich die gut bezahlten Schleckermäuler mit dem Löffel durch die Produkte und geben ihr Urteil ab. Außerdem helfen sie mit, neue Trendsorten zu erfinden – zum Beispiel Pfirsich-Lavendel oder Erdbeer-Balsamico.

Die Plakette vom Eis-TÜV

Ein robuster Magen ist in dem Beruf von Vorteil. Die DLG-Qualitätsprüfer lassen sich regelmäßig über 130 Eissorten auf der Zunge zergehen. Die Gewinner erhalten DLG-Prämierungen in Gold, Silber und Bronze.

Im Testzentrum für Lebensmittel in Oldenburg werden die Eissorten dafür genau unter die Lupe genommen. Aussehen und Zusammensetzung sind dabei so wichtig wie der Geschmack. Die Prüfer wissen vorher nicht, welche Produkte oder Marken sie testen. Zu den so genannten Sensorik-Tests der Eis-Prüfer kommt immer auch eine fundierte Laboranalyse. Denn die Standards sind hoch. Schließlich wollen wir alle bedenkenlos in die Kühltruhe greifen.

Mach den Test!

Eis-Tester sind häufig studierte Lebensmittelwissenschaftler (Ökotrophologen) oder ausgebildete Lebensmitteltechniker. Als Quereinsteiger gibt es auch Köche. Grundvoraussetzung ist in jedem Fall die Begeisterung für Lebensmittel. Am besten, man arbeitet schon in der Branche.

Eis-Tester macht Schlagzeilen

In den USA hat Eis-Tester John Harrison es übrigens mit seinem nicht alltäglichen Beruf bis ins Fernsehen geschafft. Ein Video von ihm (in englischer Sprache) gibt es bei FoxNews.