„Das mache ich später“: Sechs geniale Tipps gegen Aufschieberitis

Die Steuererklärung und ein Brief von der Versicherung warten auf dem Schreibtisch. Der Keller müsste mal wieder aufgeräumt werden und der Termin beim Zahnarzt ist immer noch nicht vereinbart. Die Diagnose: chronische Aufschieberitis.

 

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Dass man nicht alles sofort erledigt, ist normal. Für viele Vorhaben ist es sogar sinnvoll, erst einmal zu planen und dann zu handeln – etwa bei Urlaubsreisen oder größeren Anschaffungen. Doch wenn man ständig wichtige Aufgaben nicht erledigt, weil man erst einmal den Schreibtisch aufräumt und einen Kaffee kocht, leidet nicht nur die Arbeit. Die Aufschiebertis – der Fachbegriff lautet „Prokrastination“  – macht auch unglücklich. Viele Menschen schlafen deswegen schlecht, schämen sich oder sind von der eigenen Untätigkeit genervt.

Die Ursachen für das Aufschieben sind vielfältig: Oft drücken wir uns vor langweiligen oder unangenehmen Dingen. Aufgaben, bei denen man nicht sicher ist, wie man sie löst, oder die Angst auslösen, werden besonders gerne liegen gelassen.  Dabei weiß man in der Regel, dass durch das Aufschieben persönliche Nachteile entstehen.  

Damit es nicht so weit kommt, haben wir ein paar Tipps zusammengetragen. 

  • Visualisieren

Die Steuererklärung bereitet Kopfschmerzen? Dann bloß nicht in die Schublade oder in den Karton mit ihr. Sie bleibt auf dem Schreibtisch liegen. Dann kann wenigstens niemand so tun als ob die Aufgabe nicht da wäre. 

  • Priorisieren

Es ist so viel zu tun, dass Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen? Dann ist es das Beste, die Aufgaben zu priorisieren. Welche Aufgaben sind sehr wichtig, welche sind weniger wichtig? Welche Aufgaben sind sehr groß, welche sind schnell erledigt? Hat man die Aufgaben nach diesen Kriterien sortiert, hilft das Schema 1–3–5 um einen Tag zu organisieren. Man  sucht sich eine große Aufgabe, die man auf jeden Fall schaffen will. Dazu kommen drei mittelgroße und fünf ganz einfache oder schnelle To-Dos. Diese Listen kann man auf Papier oder mit Hilfe von Apps wie 135list.com planen. 

  • Aufgaben aufteilen

Manche Aufgaben erscheinen oft so umfangreich, dass man sich gar nicht an sie heran traut. Jedes Vorhaben lässt sich in der Regel in viele kleine Einzelschritte unterteilen. Sie zu erledigen schafft Erfolgserlebnisse. Die Steuererklärung insgesamt ist vielleicht als Aufgabe in dieser Woche nicht zu schaffen. Aber alle Belege zu sammeln, das ginge. Sortiert werden sie dann in der nächsten Woche. 

  • Eigene Deadlines setzen

Viele Profi-Aufschieber brauchen den Druck der Deadline. Sie warten bis zur letzten Minute, um eine Aufgabe zu erledigen. Dieser psychologische Effekt lässt sich auch nutzen, wenn man sich für den eigenen Arbeitstag individuelle Deadlines setzt.  Digitale Eieruhren wie Eggtimer helfen dabei: Sie stellen grafisch dar, wie die Zeit verrinnt, in der eine Aufgabe erledigt werden soll. 

  • Das Smartphone bremsen

Ein Gerät, das ständiges Aufschieben fördert, ist das Smartphone. Aufpoppende Nachrichten und spannende Apps laden ständig dazu ein, lieber am Gerät herumzufummeln als das zu tun, was man eigentlich tun sollte. Abhilfe kann da eine Anti-Aufschiebe-App namens Flipd leisten.  

Die Anwendung zählt auf spielerisch Weise, wie lange man es aushält, keine Smartphone-App aufzurufen. Wer trotzdem nicht die Finger vom Smartphone-Display lassen kann, kann Flipd erlauben, Apps und den Internetzugang für eine bestimmte Zeit zu sperren. Alle Apps und Internet-Browser verschwinden dann vom Bildschirm. 

  • Sich verabreden

Geteiltes Leid ist halbes Leid: Verabreden Sie sich für ungeliebte Tätigkeiten wie die Reisekostenabrechnung oder die Steuererklärung mit anderen. Gruppendruck und Herdentrieb  führen dazu, dass Unangenehmes nicht mehr aufgeschoben, sondern angepackt wird.

Zum Abschluss noch ein Hinweis: Chronisches Aufschieben kann auch ein Hinweis auf grundlegendere Probleme wie eine Depression sein. Ein Alarmsignal ist es etwa, wenn wesentliche Herausforderungen des Lebens wie ein Studienabschluss oder ein längst fälliger Jobwechsel immer wieder aufgeschoben werden. Im Zweifel lohnt es sich, einen Psychotherapeuten zu Rate zu ziehen. Die Universität Münster bietet einen kostenlosen Online-Test an, mit dem man das eigene Verhalten unter die Lupe nehmen kann. 

Der Test dauert ungefähr 30 Minuten. Dafür können Sie ja die Steuererklärung oder den Brief von der Versicherung erst mal ein wenig liegen lassen…