Der Chef als Feldwebel

Oder: Wieso Kommandieren nicht funktioniert

 

„Tun Sie einfach, was ich Ihnen sage!“ Nicht selten bekommt man diesen Satz vom Chef zu hören. Widerworte? Nicht erwünscht. Die Entscheidungen hinterfragen? Nur, wenn man erst recht eine Standpauke erhalten möchte. Es muss gemacht werden, was gewünscht wird. Ohne Wenn und Aber.

© Leo Lintang

Was sich anhört wie die Ansprache in einer Kaserne, ist leider in zahlreichen Betrieben und Unternehmen an der Tagesordnung. In jeder vierten Firma herrscht immer noch ein Befehlston, der nur eines verlangt: Gehorsam. Was der Vorgesetzte sagt, darf nicht infrage gestellt werden. Auch nicht, wenn er sich irrt. Und das betrifft nicht nur die Führungsetagen. Auch in Sachbearbeiter-Abteilungen und der Logistikhalle wird kommandiert. Viele Chefs und Vorarbeiter kritisieren ihre Untergebenen gerne. Ein Lob kommt dagegen nur selten über die Lippen. 

Eine Menge Netznutzer können ein Lied von dieser Art von Chef singen. Schließlich haben sie selbst schon mal erlebt, wie es ist, mit so jemandem zu arbeiten. 

Die Folge des Befehlstons

Aber ist das eigentlich normal - so Befehlston ohne Widerrede? Nein, das klingt nicht nur total daneben, das ist es auch. Eigentlich ist es inzwischen Konsens, dass Chefs nicht mit den Methoden von gestern führen sollten. 

Denn was vielen Vorgesetzten gar nicht bewusst ist: Ihren Mitarbeitern Befehle entgegen zu schreien, motiviert sie nicht. Im Gegenteil: Wer herum kommandiert wird, verliert die Lust, denkt nicht mehr mit und macht Dienst nach Vorschrift. Viele Leute kündigen innerlich sogar. Das heißt: Sie sind gar nicht mehr bei der Sache und sitzen nur noch ihre Zeit ab.

Und was passiert dann? Dann kümmert sich niemand mehr um eine Kiste, die im Weg steht und die irgendwo innerhalb der Lagerlogistik vergessen wurde. Bis jemand drüber stolpert oder ein Kunde wutentbrannt nach seiner Ware fragt. Oder eine defekte Kühltruhe wird aus Angst vor einem cholerischen Supermarktleiter erst gar nicht gemeldet. 

So ein respektloser Umgang schadet übrigens auch der Gesundheit. Wer immer zurechtgewiesen wird, muss aufpassen, dass dieser Dauerstress nicht in Depressionen oder Burn-out endet. 

Wie soll man als betroffener Mitarbeiter reagieren?

Eigentlich können Unternehmen kein Interesse an Führungskräfte haben, die nur herumkommandieren. Viele bieten Abteilungs- und Teamleitern entsprechende Seminare an. Hier können sie lernen, wie man gemeinsam an einer Sache arbeitet. 

Und wenn man trotzdem einen verkappten Feldwebel als Vorgesetzten hat? Dann ist es gut, sich abzugrenzen und den Ton des Vorgesetzten nicht persönlich zu nehmen. Wenn aber jemand fragt, warum die Motivation so niedrig sei, ist es angebracht, das Thema anzusprechen. 

Um aus dieser Spirale aus Befehl und blindem, unterwürfigem Gehorsam herauszukommen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: ein Gespräch mit dem Betriebsrat. Es ist vertraulich und hilft dabei, Missstände aufzudecken und daran zu arbeiten. Das fördert nicht nur die Arbeitsmoral, sondern wirkt sich letztlich auch positiv auf den Erfolg des Unternehmens aus.