Die heimliche Bewerbungsarmee – Wer darf helfen und wie?

Die Freundin liest Korrektur, ein Profi-Fotograf macht das Foto, ein Verwandter ist Journalist und hilft beim Schreiben der Bewerbung – an vielen Stellen im Bewerbungsprozess verlässt man sich mitunter auf fremde Hilfe. Aber ist das legal oder Betrug? Und welche Vor- und Nachteile hat man?

 

Bewerbung, Lebenslauf, Hilfe

Für Dich war Rechtschreibung schon in der Schule ein rotes Tuch. Aber Du hast einen Freund, der schon in der Schule in Deutsch gut war. Wenn er Dir bei der Bewerbung hilft und das Anschreiben noch einmal überprüft, ist das vollkommen in Ordnung. Genauso sieht es aus, wenn Du jemanden kennst, der Fotografie als Hobby hat. Er kann für Dich kostenlos das Bewerbungsfoto schießen – genau wie ein Profi.

Doch darf auch ein Fremder für Dich zum Beispiel das Motivationsschreiben verfassen? Komplett und gegen Geld? Auch das ist nicht illegal. Du kannst einen Profi engagieren, der nicht nur Deinen Lebenslauf auf Fehler durchsucht, sondern auch das Anschreiben für Dich übernimmt.

Profis schreiben für Dich

Es gibt viele Anbieter, die das für Dich übernehmen. Das Einzige, was Du machen musst, ist, vorher die Informationen zu liefern. Das heißt: Du gibst Deinen Lebenslauf weiter, der so genau ist wie möglich. Er muss zum Beispiel deutlich machen, wo und wie lange Du zur Schule gegangen bist, wie gut Dein Abschluss war, aber auch wo Du schon gearbeitet hast und in welcher Position. Außerdem solltest Du dem Berater die Stellenanzeige weiterleiten, auf die Du Dich bewirbst, oder den Job nennen, den Du im Visier hast.

Doch günstig sind solche Schreibprofis meist nicht. Manche Anbieter verlangen 67 Euro, andere jedoch 250 Euro und mehr. Sie liefern dafür aber komplette Bewerbungsunterlagen – inklusive einwandfreiem Motivationsschreiben und einem professionellen Lebenslauf. Doch eines sollten sowohl Du als Auftraggeber als auch Dein Helfer beachten: Nicht schummeln! Falsche Angaben oder das Fälschen von Dokumenten können dazu führen, dass man den Job wieder verliert – auch nach längerer Zeit.

Personaler wollen Persönlichkeit

Du solltest nicht vergessen, dass ein Personaler ein Profi ist. Es besteht also die Möglichkeit, dass er erkennt, dass es sich um die Arbeit eines Schreibhelfers handelt. Denn auch dieser nutzt meist dieselben Grundformen für ein Motivationsschreiben. Außerdem wollen diejenigen, die entscheiden, ob Du den Job bekommst oder nicht, auch etwas von Deiner Persönlichkeit in der Bewerbung sehen.

Also musst Du abwägen, ob Du perfekte Unterlagen vom Ghostwriter einreichen oder lieber ein Stück weit etwas Eigenes liefern willst. Dass ein anderer Deine Unterlagen auf Tippfehler hin untersucht, sollte aber immer das Minimum sein.

Was also spricht für Ghostwriter? Die professionellen Bewerbungshelfer…

  1. finden Lücken im Lebenslauf und wissen, wie man diese elegant umschreibt.
  2. haben einen klaren Blick für das, was Du kannst. So verhindern sie, dass Du Dich klein machst und unter Wert verkaufst.
  3. kennen die Aussagen, die Personaler gut finden, und bauen diese im Motivationsschreiben ein.

Und das spricht gegen sie.

  1. sind oft nicht billig. 250 Euro muss man auch erstmal dafür berappen können.
  2. bieten Dir keine Erfolgsgarantie.
  3. fertigen Dir exzellente Bewerbungsunterlagen an, die beim Unternehmen hohe Erwartungen wecken. Diese kannst Du im Jobinterview aber vielleicht gar nicht erfüllen. Schlimme Folge: Die Personaler fühlen sich betrogen, und die Stelle bekommt jemand anderes.

Vorlagen für das richtige Format

Wenn ein Bekannter Deine Bewerbung Korrektur liest, sollte er aber nicht nur auf den Inhalt achten. Auch die äußere Form entscheidet über den Erfolg. Und die heißt hier Formatierung. Das heißt zum Beispiel: Wie groß ist der Abstand zwischen Text und Rand? Wo steht die Adresse des Unternehmens? Welche Schrift sollte man verwenden? Die richtigen Antworten auf diese Fragen entscheiden auch, ob Du den Job bekommst oder nicht. Und hier findest Du Beispiele, die Dir auf jeden Fall weiterhelfen. Nutzen darfst du solche Formatvorlagen - egal, ob sie aus dem Netz kommen oder ob Du sie von einem Freund bekommst.

Kontakt per Twitter und Facebook aufnehmen

Eine Bewerbung per Twitter? In 140 Zeichen? Das ist in Deutschland zwar noch nicht erwünscht. Die sozialen Medien kannst Du für die Jobsuche aber trotzdem nutzen. Facebook und Twitter sind ideal, um den ersten Kontakt zu den Personalern herzustellen und Fragen über das Unternehmen und das Bewerbungsverfahren zu stellen. Natürlich kannst Du auch Freunde auf diesen Kanälen anschreiben und nach Informationen fragen, falls sie in der Firma arbeiten. Aber jemanden, den Du nicht wirklich kennst, anzuschreiben und dazu auszuquetschen, kann einen schlechten Eindruck machen. Also lieber lassen.

Informationen über ein Unternehmen bekommst Du auch über Bewertungsportale wie kununu oder jobvoting. Hier siehst Du, wie andere, die schon bei einem Unternehmen gearbeitet haben, dies finden. Wie sind die Kollegen und Vorgesetzten? Wie gut die Bezahlung? Und welche Aufgaben gibt es dort? Hier bekommst Du einen Eindruck des Unternehmens. Und da die Seiten öffentlich sind, ist es vollkommen in Ordnung, wenn Du Dich dort informierst.  

Checkliste für die Bewerbung 

Das ist erlaubt:

  1. Jemand liest Deine Bewerbung Korrektur und sucht Rechtschreibfehler.
  2. Ein Freund oder Bekannter schießt das Bewerbungsfoto.
  3. Du bezahlst einen Profi dafür, dass er Dein Motivationsschreiben verfasst.
  4. Du suchst im Netz eine Vorlage oder jemand gibt Dir eine für das Anschreiben und den Lebenslauf.
  5. Informationen über das Unternehmen holst Du Dir über Bewertungsportale.
  6. Du nutzt Facebook, Twitter & Co., um mehr über die Firma und die Abläufe dort zu erfahren. Einschränkung: Du fragst nur die Personaler und wirkliche Freunde.