Familie und Beruf – Deutschland ist kein Vorreiter

In jedem vierten Haushalt in Hamburg wachsen Kinder bei nur einem Elternteil auf. Das statistische Landesamt hat diese Zahl vor Kurzem veröffentlicht. In solchen Haushalten sind die Erziehenden auf Jobs angewiesen, mit denen Familie und Beruf so gut wie möglich vereint werden können. Wir zeigen Euch, wie die Situation in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ist.

Abgehängt von Dänemark und Norwegen

Der Norden Europas ist ein Paradies, wenn es darum geht, Kind und Karriere, Job und Familie zu kombinieren. So arbeiten zum Beispiel in Dänemark 72 Prozent der Mütter in Vollzeit, ein Topwert in Europa. In Deutschland liegt der Anteil der Mütter mit einer Vollzeitstelle bei 30 Prozent. Damit belegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich den vorletzten Platz. Die nordischen Länder punkten darüber hinaus bei den Ausgaben für Bildung und Betreuung der Kinder. Die Dänen lassen sich ihr Ausbildungssystem fast fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) kosten. Auch hier findet sich Deutschland am Ende der Tabelle wieder. Lediglich 2,9 Prozent des BIP werden hierzulande für die Schulen, Universitäten und Kindergärten ausgegeben, nur die Spanier und Tschechen verwenden noch weniger Geld für die Bildung ihrer Kinder. 

Firmen in Deutschland sind nicht sehr familienfreundlich 

Mitarbeiter mit Kindern können nur in 24 Prozent aller Betriebe in Deutschland flexible Arbeitszeiten mit dem Chef vereinbaren. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der ManpowerGroup Deutschland, für die im April 2018 1.010 Bundesbürger befragt wurden. Auch die Angebote von Teilzeitarbeit sind nicht ausreichend. Lediglich 44 Prozent der Betriebe bieten Modelle für Teilzeitarbeit an. „Wir müssen auf Seiten der Arbeitnehmer und auch der Arbeitgeber neu denken. Die Zeit der ,Nine to Five‘-Jobs ist vorbei“, sagt Herwarth Brune, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „Die Arbeitnehmer wollen flexible Modelle, die sich ihren Gewohnheiten anpassen lassen.“ Wer also darauf angewiesen ist, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, hat in Deutschland noch nicht die besten Karten. Dabei steckt in den vielen gut ausgebildeten Frauen enormes Potential. 

Elternzeit ist immer öfter auch eine Sache der Väter

Elternzeit wird immer öfter eine „Väterzeit“. Der Gesetzgeber hat es ermöglicht, dass auch Väter mindestens zwei Monate oder länger in Elternzeit gehen können. Damit haben die Väter die Möglichkeit, ihrer Frau gleich nach der Geburt oder später zur Seite stehen zu können. Der Antrag muss sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beim Arbeitgeber angemeldet werden. Dazu muss vor der Geburt ein Arbeitsverhältnis (Teilzeit oder Vollzeit) bestanden haben. Es gibt viele Möglichkeiten, das Elterngeld zwischen Frauen und Männer zu teilen oder auch auf maximal 28 Monaten (Elterngeldplus) zu strecken. Damit bekommst Du zwar weniger im Monat, kannst aber länger Dein Kind betreuen. Zudem bleibt der wichtige Kündigungsschutz beim Arbeitgeber erhalten. Weitere Informationen zum Elterngeld und der Elternzeit erhältst Du hier. In fast 21 Prozent der Firmen in Deutschland nehmen Männer den Anspruch auf die Elternzeit wahr. Dazu gibt es in 19 Prozent aller Firmen Programme, um die Mitarbeiter nach der Elternzeit wieder im Betrieb zu integrieren. Das sind Zahlen aus der repräsentativen Befragung der ManpowerGroup Deutschland zum Thema Familie und Beruf.