Flexibles Arbeiten: viele Modelle und ein paar Regeln

Nicht jeder ist mit einem Job von 09.00 bis 17.00 Uhr zufrieden. Immer zu gleichen Zeit aufstehen, immer der gleiche Weg zur Arbeit, immer der gleiche Tagesablauf. Warum nicht ein wenig Abwechselung in den grauen Arbeitsalltag bringen? Die bekannteste Form aller flexiblen Arbeitszeitmodelle ist die Gleitzeit. Nach Auskunft der Bundesregierung gab es 2016 in Deutschland 20,8 Millionen Arbeitsplätze mit einem Arbeitszeitkonto. Hier bestimmt nicht die Stechuhr den Beginn der Arbeitszeit. Aber oft ist eine Kernzeit vorgegeben, in der Du am Arbeitsplatz sein solltest. Doch wann Du kommst oder auch gehst, bestimmst Du oder der Umfang Deiner Arbeit. Machst Du Überstunden, kannst Du sie an anderen Tagen wieder ausgleichen. Allerdings kannst Du hier nicht die Überstunden so anhäufen, dass Du plötzlich drei Monate auf Reisen gehen kannst. Das System der Gleitzeit soll sich selbst ausbalancieren und gelegentliche Mehrarbeit abfedern.
 

„NextGen-Arbeit“: individueller und flexibler in die Zukunft

Laut einer ManpowerGroup-Studie möchten 83 Prozent der Menschen, die jetzt schon flexibel arbeiten, das auch in Zukunft machen können. Die „NextGen-Arbeit“ („NextGen“ steht dabei für „nächste Generation“) ist eine neue Art berufliche Aufgaben zu erledigen, mehr zu verdienen und sich weiter zu qualifizieren. 77 Prozent der Menschen in Deutschland, die jetzt schon flexibel arbeiten, haben sich bewusst dafür entschieden. Das ist ein Ergebnis der Studie „NextGen  Arbeitsmodelle in der Zukunft“, für die 9.500 Arbeitnehmer in zwölf Ländern befragt wurden. Die Dynamik auf den Arbeitsmärkten steigt ständig. Damit ändert sich auch auf Seiten der Arbeitgeber die Nachfrage. Das klassische Modell des Angestellten ist ein Auslaufmodell. Alternative Beschäftigungsformen wie Projektarbeit, Zeitarbeit und freiberufliches Arbeiten lassen sich als NextGen-Arbeit bezeichnen. Das sind die Arbeitsmodelle der Zukunft. Leider ist Deutschland auf diesem Gebiet kein Vorreiter. In Ländern wie den USA, Italien oder auch Australien gibt es eine viel größere Offenheit für alternative und flexible Arbeitszeitmodelle

Neue Ausrichtungen in den Schichtsystemen

Selbst in Pflegeeinrichtungen oder anderen Schichtbetrieben kann über flexiblere Arbeitszeiten gesprochen werden. Traditionell erschweren die starren Pläne jegliche flexible Gestaltung des Arbeitsplatzes. Doch muss zum Schichtbeginn wirklich die komplette Mannschaft an Bord sein? Hier könnte eine Befragung den Bedarf ermitteln, dann wird die Personalstärke an die Bedürfnisse angepasst. Ab einer bestimmten Uhrzeit ist dann die ganze Belegschaft vorhanden. Ein Model wie bei der Gleitzeit, nur das hier die Anfangszeiten vorgegeben sind. Dennoch bieten solche Modelle eine starke Entlastung. Wer flexibel auf die Betreuung von Kindern am Morgen reagieren muss, hat hier die Möglichkeiten dazu. Immer mehr Unternehmer und Einrichtungen zeigen sich neuen Modellen gegenüber aufgeschlossen. Vorschläge der Belegschaft werden dabei gerne angenommen.

Home office: Traumjob für jeden?

Zuhause arbeiten ist eigentlich für viele ein Traum. Es klingt ja auch zu schön: sich mit dem Firmenlaptop auf der Couch lümmeln, zwischendurch einen Eistee aus dem Kühlschrank holen oder mittags mit dem Hund eine Runde Gassi laufen. Doch bevor Du Dich für das Arbeiten in den eigenen vier Wänden entscheiden solltest, hinterfrage Dich ehrlich, ob Du wirklich dafür geeignet bist. Der kleine Test (klick auf den Link) gibt Dir erste Anhaltspunkte für das Büro zuhause. Wenn Du diszipliniert genug bist, strukturiert und produktiv arbeitest und Deinen Tagesablauf selbst gut managen kannst, dann ist das Homeoffice eine echte Alternative mit vielen Vorteilen. Du sparst die Kosten für das Pendeln zur Firma und bewegst Dich mittags vielleicht auf einer Joggingrunde durch den Park. Das ist gesünder als der übliche Weg zur Currywurst in der Kantine. Viele Arbeitgeber sträuben sich noch, das Homeoffice als zusätzliches flexibles Angebot zu genehmigen. Sie fürchten den Kontrollverlust über ihre Mitarbeiter, beklagen den fehlenden informellen Austausch beim Klatsch in der Kaffeeküche. Doch Firmen wie SAP oder Microsoft zeigen, dass man trotz Homeoffice in vielen Bereichen sehr erfolgreich sein kann.

Das Sabbatical: Die Auszeit, um Abstand zu gewinnen

Die längere Auszeit vom Betrieb, um sich zu erholen und neue Kraft zu tanken und vielleicht ganz neue Blickpunkte auf das eigene Leben zu finden, wird immer beliebter. Besonders angesagt sind solche Auszeiten bei Managern, Schauspielern oder Musikern. Die mehrmonatige Auszeit, neudeutsch das „Sabbatical“, wird für immer mehr Arbeitnehmer zu einer Alternative um sich komplett neu im Leben zu finden.


Das Wort Sabbat kommt aus dem Hebräischen und bezeichnet das siebte Jahr. Hier sollten die Menschen die Felder nicht bearbeiten, sondern ruhen lassen. Sabbat lässt sich auch mit „inne halten“ übersetzen. Einen gesetzlichen Anspruch hast Du in Deutschland leider nicht darauf. Doch wenn Du so etwas gut planst und vorbereitest, dann kannst Du vielleicht auch Deinen Chef davon überzeugen. Doch eines sollte vorher klar sein: Ohne finanzielle Einbußen wirst Du nicht davonkommen. Wie Du so etwas richtig planst, Ideen für Deine Auszeit und rechtliche Hintergründe findest Du hier.

Langzeitarbeitskonten: Überstunden sparen und lange frei machen

Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, gilt als Pionier der Langzeitarbeitskonten in Deutschland. Hier können die Arbeitnehmer über einen langen Zeitraum Überstunden ansparen, um sie dann gesammelt und gezielt für beispielsweise eine Weltreise, eine Weiterbildung oder auch einen früheren Eintritt in die Rente zu nutzen. Der Hintergrund dafür: Junge Arbeitskräfte haben viel Elan, arbeiten 50 Stunden und mehr pro Woche. Diese Plusstunden kommen dann dem gleichen Arbeitnehmer zu Gute, wenn er wegen eines Kindes ein paar Jahre vielleicht nur noch 30 Stunden arbeiten möchte. Und das trotz einer Vollzeitstelle und bei vollem Gehalt. Bei Fraport dürfen die Mitarbeiter bis zu 200 Stunden Arbeitszeit jährlich „ansparen“. Bei 3.000 Plusstunden ist aber Schluss, das ist immerhin eine Zeit von umgerechnet 1,5 Jahren. Die Einführung eines solchen Langzeitarbeitskontos erfolgt entweder auf Initiative eines Betriebsrates oder durch den Arbeitgeber.