Hingucker statt Papierkorb

Tolle Jobs gibt es viele. Aber Bewerber, die diese Stellen haben wollen, gibt es noch mehr. Durchschnittlich erhalten die größten 1.000 Unternehmen 48 Bewerbungen auf ein Stellenangebot. Bei einem Fünftel der Unternehmen gehen zwischen 51 und 100 Bewerbungen zu einem Stellenangebot ein. Und jedes zehnte Unternehmen bekommt mehr als 100 Bewerbungen auf eine offene Stelle.

 

Bewerbung gekonnt schreiben

Diese Zahlen stammen aus einer Studie des Stellenportals Monster.de – und sie wirken auf den ersten Blick ganz schön entmutigend. Denn diese Bewerbungsfluten haben einen tückischen Nebeneffekt: Nicht mal jede zweite Bewerbung wird genau angeschaut. 

Formelle Fehler sind ein K.O.-Kriterium

Oft sorgen formelle Fehler dafür, dass eine Bewerbung schnell aussortiert wird. Eine peinliche E-Mail-Adresse wie die von AOL ist beispielsweise für Marc Stahlmann, den Geschäftsführer von Onlinemarketing.de, ebenso ein K.O.-Kriterium wie das Versenden von zu großen Anhängen und die Nutzung von anderen Formaten als dem PDF-Format für die Datei.

„Ich möchte schnell sehen, ob du genügend Sorgfalt zeigst und keine einfach zu vermeidenden Fehler machst. Ich möchte sehen, dass dir die Stelle wichtig ist“, schreibt Stahlmann zur Erklärung auf seiner Webseite. 

Viele Recruiter sind überlastet

Dass eine Bewerbung aus formellen oder technischen Gründen nicht gelesen wurde, ist besonders dann ärgerlich, wenn man das Gefühl hat, dass ansonsten alles gut gepasst hätte. 

Doch auch wenn man alles richtig gemacht hat, reicht das oft nicht aus. Viele Recruiter sind einfach überlastet und schaffen es gar nicht, jede Bewerbung intensiv zu lesen.  

Deswegen versuchen viele Bewerber, mit Tricks dafür zu sorgen, dass die eigene Bewerbung besonders heraus sticht. Einige Bewerber programmieren eigene Videospiele oder mieten Plakatwände. Andere wieder bauen Webseiten, die wie Amazon-Produktseiten aussehen, um auf ihr Profil hinzuweisen.

Ein paar einfache Tipps

Ganz so viel Aufwand werden die meisten natürlich nicht treiben, um die Bewerbung zum Hingucker zu machen. Ein paar Möglichkeiten, die sich schnell realisieren lassen, gibt es aber trotzdem. 

Sinnvoll ist es beispielsweise die Bewerbung nicht an eineeindeutige Sammeladresse zu schicken, sondern an den für diese Stelle zuständigen Ansprechpartner.Falls dieser nicht ersichtlich ist aus der Stellenanzeige, hilft es anzurufen beim Unternehmen und zu fragen - viele Unternehmen können da weiterhelfen.

Farbe ist kein Tabu

Beim Anschreiben wiederum ist eine kurze, knackige Darstellung des eigenen Profils besser als lange Ausführungen. „Beschränken Sie sich auf maximal zehn Sätze“, schreiben dazu die Karriereberater von Hesse/Schrader. „Der Personalchef wird es Ihnen danken.“  

Auch bei der Gestaltung können Bewerber dafür sorgen, dass sich ihre Unterlagen aus der Masse abheben. Obwohl sich viele Jobsuchende fragen, wie sie ihre Bewerbungen attraktiv gestalten können, bleiben die meisten bei einheitlich schwarzer Schrift auf weißen Blättern. 

Dabei ist es auch für Stellen in konservativen Unternehmen völlig in Ordnung, ein wenig Farbe in die Bewerbung zu bringen. Überschriften und Zwischenüberschriften etwa können leicht anders eingefärbt sein. Voraussetzung ist natürlich, dass Textelemente gut lesbar sind. Auch farbige Seitenränder können dazu beitragen, dass sich eine Bewerbung optisch abhebt.

Referenzen begeistern

Wichtig dabei ist allerdings, bei der optischen Gestaltung eine gewisse Zurückhaltung an den Tag zu legen. Besonders knallige Farben scheiden meist aus. Und die Farben, die verwandt werden, müssen zum Wunscharbeitgeber passen. „Wer sich bei der Deutschen Bank zum Beispiel bewerben möchte, der sollte nicht das knallige Rot der Sparkasse für die Farbgebung nutzen, sondern bei einem Blauton bleiben“, warnt das Karriereblog.net.

Die beste Möglichkeit, eine Bewerbung zum Hingucker zu machen, hat allerdings nicht mit der Gestaltung zu tun. Am ehesten überzeugen Sie einen unschlüssigen Personaler mit persönlichen Referenzen. Das sind Menschen, die einverstanden sind, dass künftige Arbeitgeber sich bei ihnen telefonisch nach einem Bewerber erkundigen oder den Bewerber in einem Schreiben positiv bewerten. Wer in seinem Berufsleben oder in seiner Ausbildung Menschen so begeistert hat, dass sie zu einer Referenz bereit sind, hat die besten Chancen, nicht übersehen zu werden.