Krumme Geschäfte, ganz legal

Für die einen ist es ein Job mit Fingerspitzengefühl, für die anderen die wahrscheinlich vitaminreichste Reifprüfung der Welt. In Teil 5 unserer JOBlog-Serie „Was macht eigentlich…?“ stellen wir vor, was ein Bananenreifer macht und können muss.

 

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Oder: Was macht eigentlich ein Bananenreifer?

Reif wird sie doch von alleine am Baum? Von wegen! Damit die Südfrucht den weiten Weg aus Costa Rica oder Ecuador bis in den deutschen Supermarkt überlebt, wird sie noch knallgrün geerntet. Etwa einen Monat lang verbringen die Bananen dann in einem Kühlschiff mit Kurs auf eine Bananenreiferei. Sie sitzen beispielsweise in Hamburg oder München.


Dort müssen sie in drei bis fünf Tagen von der Farbstufe „knatschgrün“ bis „gelb mit grünen Spitzen“ reifen. Und das machen sie nicht von allein, denn Bananen sind Mimosen. Zu warm werden sie matschig, zu kalt werden sie grau, bei zu viel Feuchtigkeit schlecht und bei großen Schwankungen können sie platzen. Damit nichts davon geschieht, werden sie bei 14 bis 17 Grad Celsius mit einem Gemisch aus Stickstoff und Ethylen besprüht. Ein ausgebildeter Bananenreifer überwacht den Vorgang. Einen Blick hinter die Kulissen zeigt ein Video von Focus Online.

Babysitter für eine Südfrucht

Für den Job als Bananenreifer braucht es kein langes Studium. Man braucht vor allem seine Sinne. Mit Augen, Nase und Fingerspitzen muss der Bananenreifer schon bei der Ankunft die schlechten Bananen aus den unzähligen Kisten filtern, bevor sie ihre Artgenossen anstecken können. Später in den Reifekammern schaut er regelmäßig nach und verändert eventuell die Temperatur oder den Gasgehalt. Dabei behält der Bananen-Profi immer die Wünsche der Kunden im Blick. Supermärkte wollen die Bananen noch leicht grün, während Saftbars die vollreife Frucht bevorzugen. Selbst nachts ist der Bananenreifer manchmal für seine Schützlinge zuständig, um beispielsweise einzuspringen, wenn der Strom ausfällt.

Gelbmachen will gelernt sein

Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und Sorgfalt sind somit wichtige Voraussetzungen für diesen Job – neben einem uneingeschränkten Geruchs- und Sehsinn. Von Vorteil ist eine Ausbildung im Lager oder in Lebensmitteltechnologie. Technische Kenntnisse sowie ein Gabelstaplerführerschein verbessern die Jobaussichten. Am wichtigsten ist Erfahrung, um auf den ersten Blick zu erkennen, welche Behandlung die Banane gerade jetzt braucht. Oder ob bei ihr schon alles zu spät ist.

Wer Spaß an Messtechnik hat und für wen Bananen mehr sind als nur irgendeine Frucht, sollte über diesen Beruf nachdenken. Genauere Informationen gibt es im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit.