Kurzarbeit: Was bedeutet das jetzt für mich?

Geschäfte schließen, Firmen halten die Produktion an, Aufträge brechen ein und Unternehmen bangen um ihre Existenz: Die Corona-Krise hat die Wirtschaft fest im Griff. Ein Mittel, um Arbeitgebern und Arbeitnehmern in diesen Zeiten zu helfen, ist die Kurzarbeit. Hierbei springt der Staat kurzfristig ein, damit Löhne weiterhin gezahlt und Unternehmen entlastet werden. In den letzten Tagen und Wochen hat die Bundesregierung im Eilverfahren viele Neuerungen in Sachen Kurzarbeit beschlossen. Sie will damit Unternehmen und Arbeitnehmer während der Krise unterstützen. Alle Regelungen gelten übrigens rückwirkend zum 01. März 2020. Doch was genau verbirgt sich nun eigentlich hinter dem Begriff Kurzarbeit? Wir erklären Dir, was Kurzarbeit für Dich bedeutet und beantworten Dir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist Kurzarbeit?

Unter Kurzarbeit versteht man die vorübergehende Verringerung der Arbeitszeit in einem Betrieb - meistens, weil die wirtschaftliche Lage schlecht ist. Wenn also das Unternehmen, in dem Du arbeitest, Schwierigkeiten bekommt, Deinen Lohn zu zahlen, dann kann es Kurzarbeit einführen. Das bedeutet, Du arbeitest für eine bestimmte Zeit entweder weniger Stunden oder gar nicht mehr, weil im Moment Deine Arbeitskraft nicht benötigt wird. Kurzarbeit soll in diesem Zeitraum Deinen Arbeitsplatz sichern und Entlassungen vermeiden. Übrigens: Dein Arbeitgeber kann Kurzarbeit nicht einseitig anordnen! Du als Arbeitnehmer musst der Einführung von Kurzarbeit zustimmen. Kurzarbeit kann alle oder aber nur einige Mitarbeiter eines Betriebes betreffen. Natürlich musst Du in dieser Zeit trotzdem weiterhin deine Rechnungen und die Miete zahlen. Das kannst Du mit dem sogenannten Kurzarbeitergeld (Kug) tun.

Wer zahlt dir das Kurzarbeitergeld (Kug) und wieviel Geld bekommst Du jetzt?

Das Kurzarbeitergeld ist eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung. Es wird Dir von der Agentur für Arbeit gezahlt. Es soll Deinen Verdienstausfall zumindest in Teilen ausgleichen. Konkret zahlt Dir die Bundesagentur für Arbeit im Fall von Kurzarbeit rund 60 Prozent deines Nettolohns. Wenn Du ein oder mehrere Kinder hast, erhältst Du sogar 67 Prozent. Das Kurzarbeitergeld bekommst Du für maximal zwölf Monate und es ist steuerfrei.

Du möchtest wissen, wieviel Kurzarbeitergeld Du im Fall der Fälle tatsächlich bekommst? Mit der Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes von der Bundesagentur für Arbeit kannst Du Dir ganz bequem ausrechnen, wie hoch Dein Kurzarbeitergeld wäre.

Musst Du Dein Kurzarbeitergeld selbst beantragen?

Nein, darum musst Du Dich nicht selbst kümmern. Dein Arbeitgeber beantragt das Kurzarbeitergeld für Dich.

Wer erhält Kurzarbeitergeld?

Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben alle Mitarbeiter, die in der Arbeitslosenversicherung versichert sind. Ebenso haben jetzt dank der Neuregelung durch Corona auch Leiharbeitnehmer sowie befristete Angestellte Anspruch auf das Kug. Minijobber erhalten kein Kurzarbeitergeld, weil sie nicht sozialversicherungspflichtig sind. Auszubildende erhalten normalerweise auch kein Kug. Wenn allerdings durch die Corona-Krise eine Ausbildung länger als sechs Wochen unterbrochen werden muss, hat auch ein Azubi Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Welche Betriebe können Kurzarbeit einführen?

Alle gewerblichen Unternehmen haben das Recht auf Kurzarbeit - aber auch solche, die kulturellen oder sozialen Zwecken dienen. Die Größe des Unternehmens spielt dabei übrigens keine Rolle. Es macht keinen Unterschied, ob Du nun der einzige Angestellte bist oder noch 100 Kollegen hast.

Dein Kug reicht nicht, um Deine Rechnungen zu zahlen?

Du darfst ausdrücklich Geld dazuverdienen. Anders als vor Corona darfst Du bis zu 100 Prozent Deines vorherigen Lohns dazuverdienen, ohne dass Dein Kurzarbeitergeld gekürzt wird. Das ist in der jetzigen Krise auch deshalb sinnvoll, weil es Bereiche gibt, die dringend nach Mitarbeitern suchen. Dazu gehören etwa die Landwirtschaft, der Lebensmitteleinzelhandel oder auch Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. So hast Du also die Chance, trotz Kurzarbeitergeld noch hinzuzuverdienen.

Alternativ kannst Du aber auch Leistungen der Grundsicherung (Hartz IV) beantragen, um Dein Einkommen aufzustocken. Wegen der Corona-Krise werden übrigens Ersparnisse nicht mehr geprüft und tatsächliche Wohnkosten akzeptiert, egal, ob sie angemessen sind oder nicht. Diese Regelung gilt für Anträge, die zwischen dem 01. März und dem 30. Juni 2020 gestellt werden.

Musst Du Deinen Urlaub nehmen?

Nein, wegen der Corona-Krise verzichtet die Bundesagentur für Arbeit bis zum 31.12.2020 darauf, dass Du zuerst deinen Urlaub vollständig genommen haben musst, bevor Du Kurzarbeitergeld erhältst. Resturlaub aus dem vorigen Jahr solltest Du allerdings vorher nehmen. Auch wenn das gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, so kommst Du Deinem Arbeitgeber damit einen großen Schritt entgegen. Denn in der jetzigen Situation solltest Du eines nicht vergessen: Nicht nur Du als Arbeitnehmer, sondern ebenso Dein Arbeitgeber steckt in einer Krise und versucht sein bestmögliches, um Firma und Angestellte da heil durchzubekommen. Daher sollten beide Seiten, so gut es geht, versuchen, einander entgegenzukommen. Wenn Du Fragen hast, sprich deshalb in jedem Fall mit Deiner Personalabteilung.