Lebenslauf-Lücken? Kein Problem!

Die einen kündigen noch in der Probezeit, weil sie sich fehl am Platz fühlen. Die anderen entscheiden sich, nach dem Studienabschluss ein paar Monate um die Welt zu reisen – wohl wissend, dass man dazu später kaum noch die Gelegenheit hat. Wieder andere wählen ein Studium, das ihnen gar nicht liegt, und wechseln nach einem oder zwei Semestern die Fachrichtung. Oder sie brauchen eine Auszeit, weil sie Angehörige pflegen.

 

Wegen solcher und anderer Unwägbarkeiten stoßen die meisten beim Schreiben ihres Lebenslaufs auf Momente im Leben, die nur schwer ins Bewerbungsraster passen. Doch ist das wirklich ein Problem?

Das Leben verläuft nicht immer nach Plan

Natürlich werden Personalprofis hellhörig, wenn sie Lücken in einem Lebenslauf entdecken. Doch ein Beinbruch sind diese Leerstellen auf keinen Fall – wenn man richtig mit ihnen umgeht. Das gilt auch bei Bewerbungsprozessen, die den Eindruck machen, dass nur stromlinienförmige Perfektionisten eine Chance haben. Schließlich haben die meisten HR-Entscheider genug Erfahrung um zu wissen, dass das Leben eben nicht immer nach Plan verläuft.

So gehören zum Beispiel Bewerbungen, die den Hinweis auf den Abbruch eines Studiums enthalten, zum HR-Alltag. Fast ein Viertel aller Studierenden eines Jahrgangs verlassen die Hochschule ohne Abschluss. Von den 260.000 Erstsemestern des Jahres 2006 haben beispielsweise 55.000 nicht ihr Studium beendet.

Lücken kann man erklären – Lügen nicht

Der wichtigste Tipp beim Umgang mit Lücken im Lebenslauf lautet: Transparenz ist Trumpf. Lücken kann man erklären – Lügen nicht. Personalverantwortliche sind darin geschult, Ungereimtheiten in Unterlagen zu entdecken. Wer Auszeiten einfach verschweigt, riskiert, dass auch alle übrigen Angaben angezweifelt werden. Und wer zum Beispiel einfach mal eine Weiterbildung erfindet, um eine Leerstelle zu schließen, kann wegen dieser falschen Angabe auch im Nachhinein den Job verlieren.

Besser als das Verschweigen ist es, die Lücken zu erklären. Wer das tut, kann aus vermeintlichen Schwächen oft sogar noch eine Stärke machen. Das geht am besten, indem man einen Storytelling-Ansatz verfolgt. Das bedeutet, dass man bildhaft und auch ein Stück weit emotional erzählt, was passiert ist, statt nur auf Fakten zu verweisen.

Klartext ist Trumpf

Wer etwa erfolgreich studiert oder lange Zeit am Stück gearbeitet hat, kann durchaus einen längeren Auslandsaufenthalt in den Lebenslauf aufnehmen.  Der sollte nicht hinter Begriffen wie „Sprachreise“ versteckt werden. Wer „Sabbatical“ oder „Asienreise“ schreibt, liefert Klartext – und kann im Bewerbungsgespräch selbstbewusst erklären, dass er in der Lage ist, Prioritäten zu setzen. Eine Weltreise steht nun mal im Widerspruch zu einer Top-Leistung im Beruf. Also ist es klug, sich erst auf das eine, und dann auf das andere zu konzentrieren.

Auch der Studienabbruch ist kein Problem, wenn Sie etwas dafür getan haben, um eine Alternative aufzubauen. In diesem Fall präsentiert man sich als jemand, der bereit ist, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Sie sind außerdem in der Lage, etwas Neues aufzubauen.

Wer pflegt übernimmt Verantwortung

Wer ein Familienmitglied gepflegt hat, braucht das ebenfalls nicht zu beschönigen. Die Krankheit muss nicht genannt werden. Der Hinweis „Pflege des schwer erkrankten Vaters“ reicht. Wenn Sie hier mit offenen Karten spielen, werden Sie als verantwortungsbewusst wahrgenommen. Wer dann auch noch nachweisen kann, dass er sich in dieser Zeit trotzdem beruflich auf dem neuesten Stand gehalten kann, hat gute Chancen, im Bewerbungsprozess zu glänzen. Satte 77 Prozent der Arbeitgeber halten einer Studie zufolge das Thema „Weiterbildung aus Eigeninitiative“ für ein wichtiges Kriterium im Einstellungsprozess.  

Selbst eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit lässt sich mit einer guten Erklärung auffangen. Immerhin haben Sie danach ja wieder eine Beschäftigung gefunden. Hier wollen Personaler wissen, was man in dieser Phase unternommen hat, um die Arbeitslosigkeit zu beenden. Durch Ihre Angaben können Sie Zielstrebigkeit dokumentieren.

Nur wer lügt, hat keine Chance

Und natürlich müssen Sie erklären können, wieso Sie arbeitslos wurden. Haben Sie gekündigt? Warum? Sie hatten sicher gute Gründe. Oder wurden Sie gekündigt? Was war der Hintergrund? Eine betriebsbedingte Kündigung wirft Ihnen keiner vor. Über andere Gründe sollten sie spätestens beim Vorstellungsgespräch wahrheitsgemäß informieren. Auch hier gilt: Erklären lässt sich vieles. Auch warum man bei einer Aufgabe gescheitert ist. Nur wer lügt, hat gar keine Chance.

Grundsätzlich gilt: Wer Lücken eingesteht, zeigt, dass er Mut hat und bereit ist, Fehler zu korrigieren. Und er konnte Erfahrungen sammeln, die anderen im Zweifelsfall fehlen. Es gibt also keinen Grund, über Lebenslauf-Lücken den Mantel des Schweigens zu decken. Sie sind selten ein K.O.-Kriterium. Wichtig ist, transparent mit Leerstellen umzugehen, kein Geheimnis aus ihnen zu machen und Fragen zur Biografie konstruktiv zu beantworten.