Mach mal Pause! -gut dosiert steigert sie die Produktivität

Mit Neid schauen manche Arbeitnehmer auf die rauchenden Kollegen. Haben die nicht viel mehr Pausen, weil sie für die Nikotinsucht nach draußen gehen? Dafür gönnt sich manch anderer einen ausführlichen Plausch am Kaffeeautomaten. Da stellt sich die Frage: Wie viel Pause steht mir zu? Und wieviel Auszeit tut gut?

Ein Artikel von Maren Hütwohl

Auszeiten müssen sein

Es scheint plausibel: Wer immer mal wieder seine Arbeit unterbricht und sich ein Päuschen gönnt, schafft weniger als der Kollege, der durcharbeitet. Doch Studien belegen genau das Gegenteil. Mitarbeiter arbeiten effektiver, wenn sie viele kleine Unterbrechungen in ihren Arbeitsalltag einbauen. Das belegt die Hirnforschung. Die Psychologin Anne Katrin Maytssek hat sogar ein Buch pro Pause geschrieben. Sie bemängelt, dass sich Mitarbeiter immer seltener Zeit für eine Arbeitsunterbrechung nehmen und so die Leistungsfähigkeit leidet. Manchmal kann ein gewisses Maß an Entschleunigung zu mehr Kreativität und damit zu mehr Produktivität führen. In der „Enzyklopädie der Faulheit" beschreibt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider, wie Churchill, Brecht oder Einstein Untätigkeit als Quelle der Inspiration nutzten. Wer ohne Unterbrechung arbeitet, macht leichter Fehler und kann sich sogar verletzen.

 

Kürzer ist mehr?

Natürlich sollten Pausen nicht übertrieben werden. Wer den halben Tag für den ausführlichen Plausch nutzt, wird tatsächlich seine eigentlichen Aufgaben nicht schaffen. Kurze Ablenkungen von fünf bis zehn Minuten mehrfach am Tag tun jedoch gut. Sie sollten nichts mit dem Job zu tun haben. So reduzieren sie den Arbeitsdruck und Stresspegel. Wenn möglich, sollten Sie sogar kurz für frische Luft um den Kopf sorgen. Bewegung ist immer zu empfehlen. Auch ein Kaffee im Pausenraum oder ein kurzer Chat mit Freunden am Smartphone sind in Ordnung. Wer seinen Arbeitsplatz nicht verlassen darf oder kann, schaut einfach mal zwei Minuten aus dem Fenster.

 

Das sagt das Gesetz

Das gilt jedoch nur für kurze Stressmomente. Jeder sollte mindestens einmal am Tag eine richtige Pause machen. Am Arbeitsplatz nebenbei ein Sandwich essen, zählt nicht. Das regelt auch Paragraph 4 des Arbeitszeitgesetzes. Das Gesetz schreibt bei einer Arbeitszeit zwischen sechs und neun Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten vor. Bei mehr als neun Stunden sind es sogar 45 Minuten. Diese müssen jeweils mindestens 15 Minuten betragen, können jedoch aufgeteilt werden. In Tarifverträgen sind teilweise auch weitergehende Ruhephasen festgehalten.

 

Wenn sich Pausen in Rauch auflösen

Über diese vorgeschriebenen 30 oder 45 Minuten hinaus gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Pausen. Das gilt auch für Raucher. Der Arbeitgeber kann sogar verbieten, während der Arbeitszeit zu rauchen. Bei manchen Unternehmen müssen sich die Angestellten ausstempeln, wenn sie ihren Arbeitsplatz zum Paffen verlassen. Zigarettenpausen müssen nicht bezahlt werden. Der Arbeitgeber hat das Hausrecht und darf sogar auf dem gesamten Werksgelände ein Rauchverbot verhängen. Manchmal ist dies auch aus Sicherheitsgründen nötig. Ärgerlich für den rauchenden Arbeitnehmer, verständlich im Sinne der Firma. 

Und wie halten Sie es mit Ruhepausen?