Manpower Arbeitsmarktbarometer

Die Arbeitgeber in Deutschland planen in diesem Quartal kräftig einzustellen. Vor allem bei Banken, Versicherungen und Service-Anbietern sind die Aussichten auf einen neuen Job so gut wie lange nicht mehr. Sie sind der absolute Spitzenreiter im aktuellen Arbeitsmarktbarometer von Manpower. Nachdem schon im Frühling in dieser Branche viele neue Stellen geschaffen wurden, plant nun sogar jedes sechste Unternehmen aus dem Finanzbereich Neueinstellungen ab dem Sommer. (Das komplette Ranking finden Sie im aktuellen Arbeitsmarktbarometer.)

 

Für viele Jobsuchende sind diese Zahlen eine gute Nachricht. Die Arbeitsplätze in der Finanzindustrie sind zwar für viele Menschen nicht mehr ganz so attraktiv wie früher. Doch nach wie vor verspricht die Arbeit bei Banken und Versicherungen Sicherheit und Stabilität. Die Jobs gelten zudem als einträglich und prestigeträchtig. Banker zu werden ist für viele nach wie vor eine attraktive Option - egal, ob man in der Filiale Kunden berät oder in der Investmentabteilung große Deals abwickelt.

 

Die Bandbreite der Tätigkeiten ist nach wie vor groß

 

Das Problem dabei ist nur: Diese klassischen Jobs in den Banken und Versicherungen sind ein Auslaufmodell. Zwar ist die Finanzbranche mit Abstand Spitzenreiter beim Arbeitsmarktbarometer. Doch es ist auch eine Branche, die derzeit einen extremen Wandel durchmacht.

 

Die Bandbreite der Jobs in den Banken und Versicherungen ist nach wie vor groß. Es gibt die Asset Manager und die Investment Banker, die große Summen verwalten und vermehren. Dann findet man in den Filialen den Kundenbetreuer. Und in den Zentralen arbeiten Risikomanager und Compliance-Beauftragte, die sicherstellen, dass eine Bank alle aufsichtsrechtlichen Verpflichtungen haargenau erfüllt. Auch bei den Versicherern ist die Spanne der Tätigkeiten groß. Hier finden sich zum Beispiel Kundenbetreuer, Controller, Risikospezialisten und Tarifmathematiker.

 

Die Aufgabenfelder wandeln sich extrem

 

Doch viele dieser Aufgabenfelder wandeln sich extrem - zum Beispiel durch die Digitalisierung. So werden etwa immer mehr Bankfilialen und Außendienstbüros bei den Versicherungen geschlossen. Kunden schließen immer mehr Verträge über Online-Portale ab. Da nützt es oft nichts, wenn man weiß, wie man im direkten Kontakt Kunden berät.

 

Kräftig eingestellt wird bei Banken und Versicherungen also durchaus - nur eben nicht in den klassischen Aufgabenbereichen. Dem Arbeitgeberverband des privaten Bankengewerbes zufolge rekrutieren Banken vor allem Spezialisten: Fachleute für Konsumkredite oder die Immobilienfinanzierung zum Beispiel. Banken, die in erfolgreichen Nischen wie dem Hypothekengeschäft positioniert sind, stellen dabei im Verhältnis öfter ein als zum Beispiel die breiter aufgestellten Sparkassen.

 

Behördenkenner und Digitalspezialisten sind gefragt

 

Weil die Behörden den Banken immer strengere Auflagen machen, werden auch Experten für Risikomanagement oder Compliance gesucht. Digital-Fachleute, Datenanalysten und Programmierer werden bei allen Banken und Versicherungen immer mit Kusshand genommen.

 

Der traditionelle Weg in die Bank oder eine Versicherung ist also zwar noch immer eine gute Ausbildung als Bank- oder Versicherungskaufmann. Alternativ kann ein Studium der Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre sinnvoll sein.

 

Wichtig ist aber in jedem Fall, sich frühzeitig weiter zu spezialisieren - für die Jobs der Zukunft in den Banken und Versicherungen. Das sind in der Regel Tätigkeiten, die etwas mit Informationstechnologie zu tun haben oder Fachwissen in Bereichen wie Recht oder Regulierung verlangen.

 

Das Fazit aus dem aktuellen Arbeitsmarktbarometer lautet für alle, die in der Finanzindustrie Karriere machen wollen: Die Chancen sind da, aber sie zu nutzen, ist gar nicht so einfach. Zwar bieten viele Unternehmen in diesem Bereich neue Jobs. Aber die Stellen bekommt man am besten mit dem Know-how der Zukunft und nicht dem Fachwissen von gestern.