Neue JOBlog-Serie: Was macht eigentlich…ein Industriekletterer?

Wissen Sie, was ein Feel Good Manager macht oder ein Industriekletterer? Wie liefern Antworten mit einer neuen Blogserie. In den kommenden Wochen stellen wir originelle und spannende Tätigkeiten vor. Wir starten in schwindelerregender Höhe und zeigen im ersten Teil, was ein Industriekletterer alles können muss.

 

Joblog Industriekletterer

Hoch oben auf der Windkraftanlage ist ein Rotorblatt kaputt. Ein Strommast braucht einen neuen Anstrich. Die Fassade eines Kaufhauses muss gereinigt werden. Oder auf einem Hochhaus soll das Unternehmenslogo angebracht werden. Für all diese Arbeiten in schwindelerregender Höhe können oftmals weder Kran noch Gerüst weiterhelfen. Hier ist Spiderman gefragt – oder der Industriekletterer. Im Vergleich zum Actionhelden verfügen sie zwar über keine Spinnennetze. Sie seilen sich an. Ein anspruchsvoller und ungewöhnlicher Beruf in großen Höhen oder an schwer zugänglichen Orten.

Industriekletterer zählen zu gefragten Profis, die immer wichtiger werden. Denn die Gebäude in Städten und auf Industrieanlagen sind zunehmend höher und schwerer erreichbar. Ingenieurkunst ermöglicht immer höhere Brücken, Staudämme und Silos. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien macht ihren Einsatz auf Windrädern zur Wartung und Reparatur notwendig. Denn selbst wenn manche Arbeiten mit einer riesigen Hebebühne erledigt werden könnten: Industriekletterer schaffen es schneller und vor allem günstiger als die Großtechnik.

Schwindelfrei hoch hinaus

Trotz der hohen Anforderungen ist ein bestimmter Bildungsgang nicht vorgeschrieben. Es gibt jedoch Schulungszentren für seilunterstützte Arbeitsverfahren, die anerkannte Grund- und Aufbaukurse für Höhenarbeiter anbieten. Eine staatliche Förderung ist teilweise möglich. Der Fach- und Interessenverband für seilunterstützende Arbeitstechniken (FISAT) zertifiziert Ausbildungsstätten und prüft die Einhaltung der festgelegten Mindestanforderungen. Die Ausbildung ist jedoch nicht mit Sportklettern zu vergleichen. Sie legt besonders viel Wert auf Seiltechnik, Materialkunde und Rettungsverfahren. Gefragt sind Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Sicherheitsdenken, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit. Denn bei den spannenden Aufgaben sollte die Gefahr nie verkannt werden. Grundvoraussetzungen für diesen Beruf sind neben Schwindelfreiheit vor allem körperliche Fitness und handwerkliches Geschick.

Klettern allein reicht nicht

Denn das Erklimmen der Anlagen ist eher der Weg zur Arbeit und nicht der Job selbst. Für den eigentlichen Auftrag muss der Ort nur schnell und sicher mit Hilfe von Seiltechnik erreicht werden. Wer Industrieklettern lernt, bringt oft bereits eine andere Ausbildung mit. Viele sind Handwerker, Techniker, Monteure, Gebäudereiniger oder Sachverständige. Jedoch ist eine abgeschlossene Ausbildung keinesfalls zwingend erforderlich. Viele Firmen bieten Dienstleistungen an, für deren Verrichtung ein gewisses Maß an technischem Verständnis und handwerklichem Geschick ausreichen. Natürlich gibt es auch Tätigkeiten, die eine hohe Spezialisierung jenseits der Kletterkünste erfordern. Servicetechniker für Windkraftanlagen oder Brückenbauingenieure zählen dazu.

Wer sich diese Tätigkeit zutraut, wird oft mit ganz besonderen Erlebnissen belohnt. Wer sonst darf an der Fassade großer Konzerne herumkrakseln, Jahrhunderte alte Kirchen bezwingen und weltweit den Bau spektakulärer Gebäude begleiten?