Smartphone im Job – was ist eigentlich erlaubt und wo sind die Fallen?

Schnell in der Chatgruppe die Verabredung für den Abend zusagen. Dann noch kurz die beste Freundin anrufen und checken, ob das Reisebüro eine Bestätigungsmail für den nächsten Urlaub geschickt hat. Nichts Außergewöhnliches. Unser Smartphone begleitet uns in allen Lebenslagen. Alle 18 Minuten greifen wir zu unserem Handy. Das hat Alexander Markowetz, Informatikprofessor an der Uni Bonn, herausgefunden. Auch während der Arbeit. Aber ist das überhaupt erlaubt? Und welche Rechte hat der Chef, wenn er ein Diensthandy gibt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Handy am Arbeitsplatz, damit nicht plötzlich eine Abmahnung oder schlimmsten Falls eine Kündigung auf dem Schreibtisch liegt.

 

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  • Darf ich mit meinem privaten Smartphone während der Arbeit meine Freunde anrufen?
    Viele Mitarbeiter denken, dass das kein Problem wäre. Schließlich verursachen sie keine Kosten. Das ist aber zu kurz gedacht: Denn das Telefonat findet während der Arbeitszeit statt. Und wer für die Arbeitsleistung bezahlt, kann auch erwarten, dass während dieser Zeit keine privaten Angelegenheiten erledigt werden. Der Anruf bei der Freundin muss also bis zum Feierabend warten oder während der Pause erledigt werden. Das gilt auch für Mails und WhatsApp-Nachrichten. Diese solltet Ihr lieber außerhalb der Arbeitszeit beantworten.

  • Und darf mein Chef von mir verlangen, dass ich mein privates Smartphone auch beruflich nutzen soll?Hier gibt es ein eindeutiges Nein. Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, alle nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, die Ihr zum Arbeiten braucht. Also darf der Chef nicht verlangen, dass private Smartphones für dienstliche Gespräche genutzt werden. Aber es gibt eine Ausnahme: Bei nicht vorhersehbaren Situationen oder betrieblichen Notfällen. dann auch mit dem privaten Handy telefoniert, könnt Ihr die anfallenden Verbindungskosten beim Chef einreichen.
  • Muss ich meinem Chef meine private Handynummer geben?
    Es gibt keinen gesetzlichen Zwang, seine private Handynummer zur Verfügung zu stellen. Wenn es dem Arbeitgeber wichtig ist, Euch besser zu erreichen, wird er Euch vermutlich ohnehin ein Diensthandy geben. 
  • Darf ich eigentlich ein Diensthandy ablehnen?
    Nein. Wenn es die Firma für nötig hält, kann sie ihre Mitarbeiter mit Diensthandys ausstatten – egal ob die Angestellten das wollen oder nicht. Einschalten muss man das Gerät aber nur während der Arbeitszeit. 
  • Bedeutet das, dass ich nach Feierabend nicht mehr über mein dienstliches Handy erreichbar sein muss?
    Keine Sorge: Das Arbeitsrecht ist eindeutig. Ihr müsst nicht erreichbar sein. Zwischen den Arbeitstagen müsst Ihr sogar eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben – und zwar ohne Unterbrechung. Ausnahmen sind natürlich Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienste. 
  • Darf ich andererseits nach Feierabend auch mein dienstliches Handy privat nutzen?
    Das ist vertraglich geregelt. Wenn der Arbeitgeber ein reines Diensthandy zur Verfügung stellt, darf dies auch nur für betriebliche Zwecke genutzt werden. Und daran sollte Ihr Euch auch halten, um eine Abmahnung zu vermeiden. Wenn das Handy auch privat genutzt werden darf, wählen viele Firmen Flatrate-Tarife. Telefonate nach Feierabend verursachen dann keine weiteren Kosten. 
  • Kann ich mein Smartphone, von den Steuern absetzen wenn ich es dienstlich nutze,?
    Ja. Es ist möglich, eine Pauschale oder Schätzwert bei der Lohnsteuererklärung geltend zu machen. Aber nur, wenn der Arbeitgeber nicht diese Kosten übernimmt. 
  • Darf mein Arbeitgeber mein Smartphone kontrollieren?
    Nein. Auch nicht, wenn der Chef die Rechnung bezahlt. Er darf beispielsweise keine Telefonate mithören oder aufnehmen. Letzteres ist sogar strafbar. Zudem gilt das Fernmeldegeheimnis. Im Klartext: der Chef darf nicht kontrollieren, was mit dem Telefon gemacht wird. Anders ist es bei den reinen Diensthandys. Wenn Ihr die nicht auch privat nutzen dürft, kann der Chef prüfen, ob Ihr Euch an die Regeln haltet und wirklich keine Privatgespräche führt. 
  • Und wie sieht es mit der GPS-Ortung aus? Ist die durch den Arbeitgeber erlaubt?
    Viele Diensthandys können geortet werden. Das muss der Chef aber seinen Mitarbeitern sagen. Und diese müssen der Nutzung der GPS-Funktion auch zustimmen. Ansonsten ist die Ortung nicht zulässig. Denn die Standortüberwachung ist ein Eingriff in die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters. 
  • Wie sieht ein Smartphone-Knigge für die Arbeit aus?
    Auch wenn das private Smartphone auf dem Schreibtisch geduldet wird, solltet Ihr ein paar Tipps befolgen:

#1 Das Smartphone sollte immer auf lautlos gestellt sein, sodass die Kollegen bei eingehenden Anrufen oder Nachrichten nicht aus ihrer Arbeit gerissen werden. 

 

#2 Verlasst für Privatgespräche kurz das Büro.

 

#3 Nehmen Eure Handys nicht zu Meetings mit, damit Ihr euch voll und ganz auf die Gespräche konzentrieren könnt.