Was Du beachten solltest, wenn Du Dich für einen Job in Teilzeit interessiert

Es gibt Situationen im Leben, die mit einer Vollzeitstelle schwer zu vereinen sind. Viele Arbeitnehmer, die neben dem Job noch Kinder betreuen, sich ehrenamtlich engagieren oder Senioren pflegen, wünschen sich daher, beruflich kürzerzutreten und mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Seit dem Jahr 2001 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit. Damit reagierte die Politik auf ein gestiegenes gesellschaftliches Bedürfnis nach flexibleren Arbeitsmodellen. Laut einer Studie der ManpowerGroup möchten 83 Prozent der Menschen, die weltweit flexibel arbeiten, das auch in Zukunft tun.

Die Zahl der Menschen, die in Teilzeit arbeiten, liegt in Deutschland zurzeit bei etwa 10 Millionen. Oft sind es Frauen, die den Antrag auf Teilzeit stellen: während 8 Millionen Teilzeitkräfte weiblich sind, ist die Zahl der Männermit 2 Millionen deutlich niedriger. Bevor Du aber auch bei Deinem Chef Teilzeitarbeit beantragst, solltest Du mithilfe der folgenden Punkte prüfen, ob ein solcher Schritt in Deiner individuellen Situation sinnvoll ist.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Grundsätzlich müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, damit Du in Teilzeit arbeiten kannst: Erstens muss das Arbeitsverhältnis seit mindestens sechs Monaten bestehen und zweitens müssen in Deinem Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt sein. Trifft das zu, kannst Du Deinem Chef schriftlich mitteilen, wie viele Stunden Du künftig arbeiten möchtest. Den Antrag musst Du mindestens drei Monate vor dem Termin stellen, zu dem Du Deine Arbeitszeit reduzieren möchtest. Zur Angabe von Gründen bist Du nicht verpflichtet.

Wenn der Arbeitgeber einverstanden ist, wird Dein Arbeitsvertrag entsprechend angepasst. Eine Ablehnung des Teilzeitwunsches muss Dein Chef Dir spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn mitteilen, und zwar schriftlich. So kann der Arbeitgeber betriebliche Gründe anführen, die gegen eine Tätigkeit in Teilzeit sprechen. Zulässige Gründe für die Ablehnung wären eine Beeinträchtigung der Organisation, des Arbeitsablaufs, der Sicherheit im Betrieb oder das Entstehen von unverhältnismäßig hohen Kosten für den Arbeitgeber. Ausgenommen von dieser Regel sind Mitarbeiter in Elternzeit, die bis zu 30 Stunden arbeiten dürfen, ohne dass die Elternzeit dadurch endet. Bei einem Rechtsstreit muss der Arbeitgeber die angeführten Gründe konkret belegen, was für ihn häufig ein Problem darstellt. Bevor Du zu einem Rechtsanwalt oder zum Betriebsrat gehst, solltest Du aber noch mal in Ruhe mit Deinem Chef reden. Der ist nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, mit Dir zu verhandeln. Oft lassen sich die gegensätzlichen Interessen durch einen Kompromiss auflösen.

Wie wirkt sich Teilzeitarbeit auf das Gehalt aus?

Wenn Du in Teilzeit arbeitest, verdienst Du den gleichen Stundenlohn wie in Vollzeit. Zudem darf Dir eine Sondervergütung wie das Weihnachtsgeld nicht verweigert werden. Trotzdem bezahlt Dir Dein Arbeitgeber weniger Lohn, wenn Du Deine Stunden reduzierst. Um genau abschätzen zu können, wie die finanziellen Folgen in Deinem konkreten Fall sind, bietet das Bundesarbeitsministerium den sogenannten Teilzeitrechner als App an. Mithilfe dieses Tools kannst Du vergleichen, wie sich Dein Netto-Gehalt verändert, wenn Du in Teilzeit arbeiten würdest.

In manchen Fällen kann es vorkommen, dass sich durch die Verringerung der Arbeitszeit der Netto-Stundenlohn erhöht. Das liegt daran, dass man in Deutschland mit steigendem Einkommen auch einen steigenden Steuersatz bezahlt. Wenn Du weniger Stunden arbeitest und weniger verdienst, zahlst Du daher auch einen geringeren Steuersatz. Zudem verringert sich aber auch Dein Rentenanspruch, weil Du weniger in die Rentenversicherung einzahlst. Die Deutsche Rentenversicherung bietet deshalb Beratungsgespräche an, in denen Du klären kannst, welche Auswirkungen die Teilzeitarbeit auf Deinen Rentenanspruch hat. Außerdem stellt die Rentenversicherung einen Online-Rechner zur Verfügung.

Schadet die Teilzeitarbeit der Karriere?

Im Gesetz ist klar formuliert, dass Du nicht diskriminiert werden darfst, weil Du in Teilzeit arbeitest. So darf Dich Dein Arbeitgeber deshalb nicht von Beförderungen ausschließen. Dennoch scheuen in der Praxis vor allem Führungskräfte den Schritt in die Teilzeit. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts arbeiteten 2015 nur 2,5 Prozent von 2500 befragten Führungskräften in Teilzeit.

Dein Arbeitgeber ist aber dazu verpflichtet, auch den beruflichen Aufstieg von Teilzeitkräften zu fördern, etwa indem er die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ermöglicht. Nur aus dringenden betrieblichen Gründen oder wegen der Berücksichtigung von Weiterbildungswünschen von Kollegen kann Dein Arbeitgeber Dir die Teilnahme verweigern. Grundsätzlich sollen Arbeitgeber ihr Weiterbildungsangebot so gestalten, dass auch Mitarbeiter in Teilzeit die Möglichkeit haben teilzunehmen.

Gibt es ein Rückkehrrecht in Vollzeit?

Häufig ist der Wunsch nach einem Teilzeitjob nur vorübergehend. Noch gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine Rückkehr in Vollzeit. Wenn Dein Arbeitgeber eine freie Stelle zu besetzen hat, muss er Dich jedoch bevorzugt einstellen. Dafür musst Du zuvor signalisiert haben, dass Du gerne Deine Stundenanzahl wieder erhöhen möchtest. Die Bundesregierung hat jetzt beschlossen, ein Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit auf den Weg zu bringen. Das Gesetz, dem der Bundestag noch zustimmen muss, sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für eine Dauer von mindestens zwölf Monaten bis maximal fünf Jahren reduzieren dürfen. Anschließend sollen sie in ihren bisherigen Job zurückkehren dürfen. Allerdings sind kleine Betriebe von der Neuregelung, die ab 2019 gelten soll, ausgenommen: das Recht auf befristete Teilzeit soll nur ab einer Firmengröße von mindestens 46 Mitarbeitern gelten. Zudem enthält das Gesetz eine Zumutbarkeitsgrenze für Betriebe mit bis zu 200 Beschäftigten. Sie müssen nur einem von 15 Arbeitnehmern eine befristete Teilzeit genehmigen.