Was Nichtraucher von ihren qualmenden Kollegen lernen können

Für die einen ist es eine kreative Auszeit vom stressigen Büroalltag, für andere einfach nur Zeitverschwendung: Raucherpausen sind in vielen Unternehmen umstritten. Je nach Lage des Arbeitsplatzes vergehen bis zu 15 Minuten für das Rauchen einer Zigarette. Während dieser Zeit erledigen Nichtraucher weiter ihre Arbeit – und teilweise sogar die des rauchenden Kollegen, etwa indem sie Anrufe entgegennehmen. Kein Wunder, dass so mancher Nichtraucher das ungerecht findet. Keine Pause ist aber auch keine Lösung: Kurze Auszeiten helfen nämlich dabei, danach wieder konzentriert arbeiten zu können.
 

Japanische Firma gibt Nichtrauchern mehr Urlaub

Wie in vielen anderen Firmen war auch bei der japanischen Marketingfirma Piala Inc. die Raucherpause ein Dauerstreitthema, bis sich ein Mitarbeiter beim Chef über seine rauchenden Kollegen beschwerte. Daraufhin hatte der Geschäftsführer Takao Asuka eine Idee: Das Unternehmen gewährt seit September 2017 allen Mitarbeitern, die nicht rauchen, sechs zusätzliche Urlaubstage pro Jahr, berichtete die Welt. Der Anreiz soll Mitarbeiter davon überzeugen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Mit Erfolg: Vier der 120 Mitarbeiter hätten es bereits geschafft, so der Unternehmenssprecher Hirotaka Matsushima. Die zusätzlichen Urlaubstage sollen 30 Nichtraucher in Anspruch genommen haben.

Gesetz schützt Arbeitnehmer in Deutschland vor Tabakrauch im Betrieb

Mehr Urlaub bekommen Nichtraucher in Deutschland noch nicht. Im Zentrum der gesetzlichen Regelungen steht vielmehr das Ziel, sie vor den Gesundheitsgefahren durch Passivrauchen zu schützen. So muss der Arbeitgeber einen rauchfreien Arbeitsplatz gewährleisten. Er ist deshalb berechtigt, in seinem Betrieb ein teilweises oder vollständiges Rauchverbot zu verhängen. Arbeitnehmer müssen also Tabakrauch weder im Großraumbüro noch in der Umkleide oder in der Fabrikhalle tolerieren. Da jeder Angestellte aber das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung hat, ist ein generelles Rauchverbot nicht zulässig. In den Pausen kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern das Rauchen nicht verbieten. Spätestens nach sechs Stunden Dienst haben Arbeitnehmer das Recht auf eine 30-minütige Pause, die sie auch zum Rauchen nutzen dürfen.

Arbeitgeber kann freiwillig zusätzliche Raucherpausen genehmigen

Während der Arbeitszeit haben Angestellte keinen Rechtsanspruch auf eine Zigarettenpause. Dennoch gestatten viele Firmen ihren Mitarbeitern freiwillig zusätzliche Auszeiten. Wie lange eine Raucherpause sein darf und wie oft sie gemacht werden darf, regelt der Arbeitgeber. Er kann auch verlangen, die versäumte Arbeitszeit nachzuholen oder Buch über die Zigarettenpausen zu führen. Wenn ein Mitarbeiter während der Arbeitszeit Raucherpausen macht, obwohl der Arbeitgeber das verboten hat, riskiert er eine Abmahnung. Bei wiederholten Verstößen kann der Chef eine fristlose Kündigung aussprechen.  

Es gibt kein Recht auf einen Raucherraum

In vielen Betrieben ist die Raucherecke kein schöner Ort. Das liegt daran, dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eigentlich keinen Raucherraum zur Verfügung stellen muss. Er hat das Hausrecht und darf somit bestimmen, wo geraucht werden darf. Deshalb darf er von seinen Angestellten verlangen, selbst bei Regen und Kälte draußen zu rauchen. Dafür muss er auch keinen schützenden Unterstand zur Verfügung stellen. Im Winter kann es deshalb auf vereistem Boden schnell passieren, dass ein Mitarbeiter ausrutscht und sich verletzt. Da Rauchen Privatsache und somit Freizeit ist, sind Arbeitnehmer während der Raucherpause jedoch nicht versichert. Verletzen sie sich währenddessen, zählt das nicht als Arbeitsunfall und die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft zahlt nicht. 

Nichtraucher machen zu wenig Pausen

Viele Nichtraucher beneiden ihre rauchenden Kollegen insgeheim darum, dass sie sich Pausen im stressigen Arbeitsalltag nehmen. Laut einer Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft Verdi schöpft nur jeder zweite Arbeitnehmer seine Auszeiten immer voll aus. Jeder Zehnte macht das hingegen selten oder nie. Höchstleistungen sind so aber nicht zu erwarten. Der Grund: „Man kann sich nur ungefähr 90 Minuten konzentrieren“, sagt Autor und Berater Jochen Mai. Auch wenn das Rauchen gesundheitsschädlich ist, haben die über den Tag verteilten Entspannungsphasen durchaus positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Nichtraucher sollten sich deshalb ein Vorbild nehmen und öfter mal eine Pause für eine Mahlzeit, ein bisschen Bewegung oder ein Gespräch mit Kollegen nutzen. Was auch immer es ist: Die Hauptsache ist, ein paar Minuten lang den Kopf freizubekommen.