Was passiert beim Abschied von der Zeitarbeit/der Übernahme durch ein anderes Unternehmen?

In Deutschland gibt es zwischen 870.000 und 960.000 Zeitarbeitnehmer (Stand Juni 2015). Rund 14 Prozent der Zeitarbeitnehmer werden nach einer bestimmten Zeit in die Stammbelegschaft eines Kundenbetriebs übernommen.

 

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Der Wechsel vom Zeitarbeitsunternehmen zum neuen Arbeitgeber, bei dem der Zeitarbeitnehmer zuvor im Einsatz war, verläuft wie jeder andere übliche Arbeitgeberwechsel auch. Der Zeitarbeitnehmer kündigt den Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen. Stimmt das Zeitarbeitsunternehmen einer vorzeitigen Auflösung des Arbeitsvertrages nicht zu, muss der Arbeitnehmer so lange für dieses weiterarbeiten, bis die Kündigungsfrist abläuft. Vertragliche Strafen durch das Zeitarbeitsunternehmen sind bei einer Übernahme durch ein anderes Unternehmen rechtlich nicht zulässig.

Der Zeitarbeitnehmer tritt also vollständig aus und hat keine vertragliche Bindung mehr zum Zeitarbeitsunternehmen. Das Direktionsrecht auf Seiten des Zeitarbeitsunternehmens besteht dann nicht mehr. Darüber hinaus muss vom Zeitarbeitsunternehmen ein Zeugnis ausgestellt werden.

Nach Ablauf der Kündigungsfrist kann der Arbeitnehmer bei dem neuen Unternehmen ein gänzlich neues Arbeitsverhältnis beginnen, basierend auf einem neuen Arbeitsvertrag. Das bedeutet auch, dass der Zeitarbeitnehmer Einzelheiten mit seinem neuen Arbeitgeber neu verhandeln kann. So können beide Seiten zum Beispiel hinsichtlich der Probezeit oder des Gehalts neue Absprachen treffen. Eine kürzere Probezeit wirkt sich dann auf die Kündigungsfrist aus, denn in der Regel wird vereinbart, dass die Kündigungsfrist während der Probezeit kürzer ist als die gesetzliche. Beide Parteien können auch vereinbaren, dass für die Zeit, in der der Zeitarbeitnehmer bei dem Unternehmen im Einsatz war, die Betriebszugehörigkeit hinzugerechnet werden soll. Ist der ehemalige Zeitarbeitnehmer dann Mitarbeiter bei dem Unternehmen, hat letzteres auch das volle Direktionsrecht.

Bei der umgekehrten Konstellation, dass der Mitarbeiter zunächst bei einem Unternehmen beschäftigt war und im Anschluss bei einem Zeitarbeitsunternehmen arbeiten soll, gibt es hingegen eine wichtige Besonderheit. Diese ist zu beachten, wenn der Mitarbeiter von einem Unternehmen zum Zeitarbeitsunternehmen wechselt und über dieses wieder an ersteres überlassen werden soll.

Sofern zwischen Austritt aus dem Unternehmen und Eintritt ins Zeitarbeitsunternehmen weniger als sechs Monate liegen, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die Bezahlung, die ein vergleichbarer Mitarbeiter in der Stammbelegschaft des Unternehmens hat. Dies ist übrigens auch dann der Fall, wenn der Mitarbeiter nicht direkt bei demselben Unternehmen in einen Einsatz gebracht wird, sondern auch bei solchen, die zur selben Konzernstruktur des Unternehmens gehören, das heißt, er an ein verbundenes Unternehmen i.S.v. § 18 AktG überlassen wird. Diese Regelung wird als sogenannte Drehtürklausel bezeichnet. Der Arbeitnehmer soll in diesen Fällen also die gleiche monetäre Behandlung genießen.