Wie “Roboter Recruiter” bald Ihre Bewerbungschancen beeinflussen

Das nächste Mal wenn Sie sich auf eine Stelle bewerben, könnte ein Roboter entscheidet ob Sie ein passender Kandidat sind - und dabei möglicherweise völlig daneben liegen! Noch sind Robo Recruiter kein Standard in Unternehmen, aber clevere “machine learning” Programme werden immer besser und schneller darin, geeignete Kandidaten aus einer großen Menge an Daten (CV, Online Formulare, Social Media Profile etc.) zu erkennen und zu analysieren. Auch wenn Roboter den Personalberatern noch keine Konkurrenz machen - letztes Jahr ist die Branche um ca. 7 Prozent gewachsen - irgendwann werden sie HR Recruiter zumindest in Sachen Effizienz und Präzision überholt haben.

 

Robotertechnik, Recruiting

Anders als die automatische “Aussortierung” per Online Bewerbungsformular, können diese Systeme erkennen, ob Ihre Persönlichkeit zur Unternehmenskultur passt, basierend auf Ihren Formulierungen im Anschreiben, Ihrer Selbstdarstellung in Social Media Kanälen oder sonstigen Spuren im Netz. Diese Maschinen versuchen das zu automatisieren, wofür Recruiter unter anderem vielmZeit, gute Menschenkenntnis und jahrelange Erfahrung brauchen. 

Fraglich ist jedoch, ob wir jemals an den Punkt kommen, wo Roboter die finale Entscheidung treffen. Zumal Kandidaten einem Roboter eventuell nicht das erzählen, was Sie einem Menschen aus Fleisch und Blut anvertrauen.

Wahrscheinlich ist eine finale, automatisierte Antwort “diesen Kandidaten einstellen” also nicht, sondern eher eine Liste der Top 5 Kandidaten aus über 1000 eingehenden Bewerbungen.

Auch Roboter machen Erfahrungen

Je mehr Daten der Algorithmus bekommt, umso präziser wird die Auswahl der zukünftigen Kandidaten! Und er kann aus vergangenen Erfolgen und Misserfolgen lernen - genau wie Personalexperten auch!

Wenn ein auserwählter Kandidat seinen Job gut macht, kann sein Profil in das System (zurück)gefüttert werden, so dass die Maschine für weitere Positionen ähnliche Bewerber finden kann.

Ein erfahrener Personalchef wird sich in seinem Leben ca. 20.000 bis 30.000 Bewerbungen anschauen - eine Maschine, die mit hundertmillionen Daten gefüttert wurde, kann diesen in Zukunft outperformen. Denn sie ist nicht nur schneller, sondern hat zwangsläufig auch noch mehr “Erfahrung”.

Das Puzzle zusammenführen

Hinzu kommt, dass Algorithmen mehr sehen, als wir Menschen. So könnten Algorithmen, hingegen aller Befürchtungen, einen geeigneten Kandidaten erkennen, auch wenn dieser auf den ersten Blick für den menschlichen Personaler als nicht passend erscheint. Denn nachdem der Algorithmus tausende von Stellen gescannt hat, sieht er Verbindungen, die Menschen verborgen bleiben. 

Wenn ein IT Unternehmen nach Java Programmierern sucht und die Maschine ihm Android Programmierer vorschlägt, ist das kein Systemfehler. Der Algorithmus hat lediglich erkannt, dass beide Sprachen sehr ähnliche Fähigkeiten von Bewerbern abverlangen und wer beispilsweise Java beherrscht, sehr einfach für Android geschult werden kann! Diese Verbindung sieht ein Recruiter nicht. 

Ein weiterer Vorteil von Maschinen: sie sind - sofern richtig eingestellt - frei von jeglichen Vorurteilen bezüglich Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft etc., wohingegen menschliche Recruiter - auch unterbewusst - Kandidaten benachteiligen können. Reine Objektivität kriegt nur eine Maschine hin.

Glückliche Mitarbeiter?

Die richtigen Talente zu finden ist eine Sache, diese dann aber auch zu motivieren und langfristig im Unternehmen zu halten, eine andere. Somit gibt es bereits erste digitale Ansätze, um die Motivation von Mitarbeitern zu messen - und zwar nicht nur einmal im Jahr wie das die meisten Unternehmen machen - sondern öfter dank neuester und effizienter Technik. 

Genauso wie Menschen dank Fitnessarmbändern ihre sportlichen Erfolge messbar machen, können smarte Apps auf der Arbeit dabei helfen, die eigenen Meilensteine zu tracken, neue zu setzen und die allgemeine Zufriedenheit zu messen - ob diese dann auch offengelegt werden, damit ein Personaler frühzeitig das Gespräch suchen kann bevor es zur Kündigung seitens des Mitarbeiters kommt, ist eine andere Frage. Solche Maßnahmen können aber, wernn richtig ausgeführt, die Motivation ebenso steigern, wie eine Fitness App, die anzeigt, wie viel Energie man beim Sport verbrannt hat.

Bei allen Fragen rund um Roboter im Bereich HR ist es also wichtig eine gesunde Balance zu halten - zwischen Effizienz, Präzision, Mitarbeiternutzen und Mitarbeiterakzeptanz. Denn der beste Robo Recruiter nützt nichts, wenn der “beste Kandidat” nach 6 Monaten wieder das Unternehmen verlässt - entweder weil dem Algorithmus zu sehr vertraut wird, oder weil der Fokus auf bestehende Mitarbeiter verloren geht.