Die einen kündigen noch in der Probezeit, weil sie sich fehl am Platz fühlen. Die anderen entscheiden sich, nach dem Studienabschluss ein paar Monate um die Welt zu reisen – wohl wissend, dass sich dazu später kaum noch Gelegenheit bietet. Wieder andere wählen ein Studium, das ihnen gar nicht liegt, und wechseln nach einem oder zwei Semestern die Fachrichtung. Oder sie brauchen eine Auszeit, weil sie Angehörige pflegen.
Wegen solcher und anderer Unwägbarkeiten stoßen die meisten beim Schreiben ihres Lebenslaufs auf Momente im Leben, die nur schwer ins Bewerbungsraster passen.
Sind Lücken im Lebenslauf wirklich ein Problem?
Das Leben verläuft nicht immer nach Plan
Natürlich werden Personalprofis hellhörig, wenn sie Lücken in einem Lebenslauf entdecken. Doch ein Beinbruch sind diese Leerstellen auf keinen Fall – wenn Sie richtig damit umgehen. Das gilt auch bei Bewerbungsprozessen, die den Eindruck machen, dass nur stromlinienförmige Perfektionisten eine Chance haben. Schließlich haben die meisten HR-Entscheider genug Erfahrung, um zu wissen, dass das Leben eben nicht immer nach Plan verläuft.
So gehören zum Beispiel Bewerbungen, die den Hinweis auf den Abbruch eines Studiums enthalten, zum HR-Alltag. Fast ein Viertel aller Studierenden eines Jahrgangs verlassen die Hochschule ohne Abschluss. Laut Statista lag die Studienabbruchquote in den Bachelorstudiengängen im Absolventenjahrgang 2018 bei 27 Prozent. Seither zeigt sich laut DZHW (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung) ein Rückgang an Fachhochschulen und ein gleichbleibendes Niveau an Universitäten
Lücken lassen sich erklären – Lügen nicht
Der wichtigste Tipp beim Umgang mit Lücken im Lebenslauf lautet: Transparenz ist Trumpf. Lücken lassen sich erklären – Lügen nicht. Personalverantwortliche sind darin geschult, Ungereimtheiten in Unterlagen zu entdecken. Wer Auszeiten einfach verschweigt, riskiert, dass auch alle übrigen Angaben angezweifelt werden. Wer zum Beispiel eine Weiterbildung erfindet, um eine Leerstelle zu schließen, kann wegen dieser falschen Angabe auch im Nachhinein den Job verlieren.
Besser als das Verschweigen ist es, die Lücken zu erklären. Wer das tut, kann aus vermeintlichen Schwächen oft sogar noch eine Stärke realisieren. Am besten geht das mit einem Storytelling-Ansatz. Das bedeutet, dass Sie bildhaft und ein Stück weit emotional erzählen, was passiert ist, statt nur auf Fakten zu verweisen.
Klartext ist Trumpf
Wer etwa erfolgreich studiert oder lange Zeit am Stück gearbeitet hat, kann durchaus einen längeren Auslandsaufenthalt in den Lebenslauf aufnehmen. Der sollte nicht hinter Begriffen wie „Sprachreise“ versteckt sein. Wer „Sabbatical“ oder „Asienreise“ schreibt, liefert Klartext – und kann im Bewerbungsgespräch selbstbewusst erklären, dass er in der Lage ist, Prioritäten zu setzen. Eine Weltreise steht nun mal im Widerspruch zu einer Top-Leistung im Beruf. Also ist es klug, sich erst auf das eine, und dann auf das andere zu konzentrieren.
Auch der Studienabbruch ist kein Problem, wenn Sie etwas dafür getan haben, um eine Alternative aufzubauen. In diesem Fall präsentiert man sich als jemand, der bereit ist, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Außerdem sind Sie in der Lage, etwas Neues aufzubauen.
Wer pflegt, übernimmt Verantwortung
Wer ein Familienmitglied gepflegt hat, braucht das ebenfalls nicht zu beschönigen. Die Krankheit muss nicht genannt werden. Der Hinweis „Pflege des schwer erkrankten Vaters“ reicht. Wenn Sie hier mit offenen Karten spielen, werden Sie als verantwortungsbewusst wahrgenommen. Wer zusätzlich nachweisen kann, dass er sich in dieser Zeit trotz allem beruflich auf dem neuesten Stand gehalten hat, hat gute Chancen, im Bewerbungsprozess zu glänzen. Die meisten Arbeitgeber halten das Thema „Weiterbildung aus Eigeninitiative“ für ein wichtiges Kriterium im Einstellungsprozess.
Selbst eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit lässt sich mit einer guten Erklärung auffangen. Immerhin haben Sie danach ja wieder eine Beschäftigung gefunden. Hier wollen Personaler wissen, was Sie in dieser Phase unternommen haben, um die Arbeitslosigkeit zu beenden. Durch Ihre Angaben können Sie Zielstrebigkeit dokumentieren.
Wer lügt, hat keine Chance
Und natürlich müssen Sie erklären können, wieso Sie arbeitslos wurden. Haben Sie gekündigt? Warum? Sie hatten sicher gute Gründe. Oder wurden Sie gekündigt? Was war der Hintergrund? Eine betriebsbedingte Kündigung wirft Ihnen keiner vor. Über andere Gründe sollten sie spätestens beim Vorstellungsgespräch wahrheitsgemäß informieren. Hier gilt ebenso: Erklären lässt sich vieles. Genauso, warum Sie beispielsweise bei einer Aufgabe gescheitert sind. Nur wer lügt, hat gar keine Chance!

