Schwerelose Schweißer – der vielleicht härteste Job der Welt

Zusammen­bauer, Fehler­sucher, Schaden­beseitiger und der Arbeits­platz ist unter Wasser. Unterwasser­schweißer, wir stellen diesen Extrem­beruf vor.

Ein Unterwasserschweißer in voller Ausrüstung mit seinem Werkzeug arbeitend

Sie sind Zusammen­bauer, Fehler­sucher, Schaden­beseitiger. Ihr Arbeitsplatz: Windkraft­anlagen, Schiffs­rümpfe, Gas­pipelines, Hafen­becken und Bohr­inseln. Die Rede ist von Unterwasser­schweißern. Im vierten Teil unserer Serie „Was macht eigentlich…?“ stellen wir diesen Extrem­beruf vor.

Wo Anlagen aus Metall sind, fallen Schweiß­arbeiten an. Auch unter Wasser: Träger rosten, Brunnen­rohre müssen befestigt, Pipelines repariert werden. Gut, dass es Berufs­taucher gibt – und ausgereifte Methoden, die das Schweißen in nasser Umgebung ermöglichen. Doch die schwebenden Schweißer müssen hohe Anforderungen erfüllen. 

Nichts für Hobby­schnorchler

Das Schweißen unter Wasser ist ein Knochenjob. Der Beruf zählt zu den härtesten der Welt überhaupt. Die Arbeits­bedingungen haben es in sich: Die Sicht ist im trüben Wasser der Hafen­becken oft schlecht. Der Tauch­anzug wiegt gut und gerne 70 kg und die Ausrüstung ist auch im Wasser nicht gerade leicht. Da wird die Arbeit schnell zur schweiß­treibenden Angelegenheit. Und es geht nicht nur körperlich ans Eingemachte, sondern auch mental. Schließlich ist Schweißen Millimeter­arbeit. Da muss man sich gut konzentrieren können. Das schaffen nur Profis mit Spezial­ausbildung und einer guten Fitness.

Doch runter ins Wasser und ran an die Schweiß­naht darf nur, wer vorher Berufs­taucher gelernt hat. Eine Ausbildung zum sogenannten „Lichtbogen­hand­schweißer“ an Land ist auch Pflicht. Doch besser noch, man hat ein Diplom als Internationaler Blech­schweißer. Das gibt es beim Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) oder der European Welding Federation (EWF). Welding ist das englische Wort für Schweißen.

Wer beide Qualifikationen mitbringt, muss noch eine spezielle Unterwasser­schweiß­ausbildung hinter sich bringen. Das geht zum Beispiel an der Schweiß­technischen Lehr- und Versuchsanstalt in Hannover. Der Kurs dauert drei Wochen. Anmelden kann man sich über dieses Formular des DVS.

Heute Baugrube, morgen Meeres­boden

Einsatzorte für Unterwasserschweißer gibt es viele. Häufig werden sie zu Arbeiten auf Baustellen gerufen, zum Beispiel unter die Berliner Museumsinsel. Andere tauchen und schweißen in einer gefluteten Baugrube eines Schiffs­hebe­werkes. Aber sehen Sie selbst:

Einer der wohl härtesten Arbeits­plätze ist aber die Baustelle an der Ostsee­pipeline. Sie pumpt Gas von Russland nach Deutschland. Das Projekt wäre ohne Unterwasser­schweißer nicht möglich gewesen. Die Berufs­taucher haben die Schweiß­maschinen am Meeres­boden befestigt und das Zusammen­setzen der Pipeline-Bauteile überwacht. Während der ganzen Arbeiten wohnten die Taucher in einem luftdicht verschlossenen Unter­wasser-Quartier, dem Tauch­schiff Skandi Arctic. Eine Drei-Mann-Taucherglocke bringt sie zum Meeres­boden in rund 100 Meter Tiefe. Dort arbeiten die Schweißer acht Stunden und kehren dann in ihr Quartier zurück, um sich auszuruhen. Weltweit existieren nur rund 30 Taucher, die ausgebildet sind, in einer solchen Schweiß­station unter Wasser zu arbeiten.