Oft gibt es eine ganze Armee an Bewerbungshelfern. Die Freundin liest Korrektur, ein Profi-Fotograf machen das Foto, ein Verwandter ist Journalist und hilft beim Schreiben der Bewerbung – an vielen Stellen im Bewerbungsprozess ist es möglich sich auf fremde Hilfe zu verlassen. Ist das legal oder Betrug? Und welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus?
Rechtschreibung war für Sie schon in der Schule ein rotes Tuch. Doch Sie haben einen Freund, der schon in der Schule in Deutsch gut war. Wenn er Ihnen bei der Bewerbung hilft und das Anschreiben noch einmal überprüft, ist das vollkommen in Ordnung. Genauso sieht es aus, wenn Sie jemanden kennen, der Fotografie als Hobby hat. Er kann für Sie kostenlos das Bewerbungsfoto schießen – genau wie ein Profi.
Profis schreiben für Dich
Darf ein Fremder, also ein Ghostwriter, für Sie das Motivationsschreiben verfassen und Geld dafür verlangen? Das ist nicht illegal. Sie können einen Profi engagieren, der nicht nur Ihren Lebenslauf auf Fehler durchsucht, sondern auch das Anschreiben für Sie übernimmt.
Es gibt viele Anbieter, die das für Sie übernehmen. Das Einzige, was Sie machen müssen, ist, vorher die Informationen zu liefern. Das heißt: Sie geben Ihren Lebenslauf weiter, der so genau ist wie möglich. Er hat deutlich zu machen, wo und wie lange Sie zur Schule gegangen sind und wie gut Ihr Abschluss war. Genauso sind Angaben erforderlich, wo Sie schon gearbeitet haben und in welcher Position. Zudem leiten Sie dem Berater am besten die Stellenanzeige weiter, auf die Sie sich bewerben wollen oder nenne den Job, den Sie im Visier haben.
Günstig sind solche Schreibprofis meist nicht. Üblich sind pro Dokument Preise zwischen 99 und 150 Euro. Wer sich also komplette 3-teilige Unterlagen (Motivatiosschreiben, Deckblatt, tabellarischer Lebenslauf) erstellen lässt, kommt mitunter auf 200 bis 300 Euro. Bei Führungskräften können die Preise auch auf 500 bis 600 Euro steigen
Ghostwriter liefern dafür komplette und einwandfreie, professionelle Bewerbungsunterlagen. Doch eines sollten sowohl Sie als Auftraggeber*in als auch Ihr Helfer beachten: Nicht schummeln oder lügen! Falsche Angaben oder das Fälschen von Dokumenten können dazu führen, dass Sie Ihren Job wieder verlieren– auch nach längerer Zeit und zwar fristlos.
Personaler wollen Persönlichkeit und Authentizität
Sie sollten nicht vergessen, dass Personaler Profis sind. Es besteht also die Möglichkeit, dass sie erkennen, dass es sich um die Arbeit eines Schreibhelfers handelt. Denn auch dieser nutzt meist dieselben Grundformen für ein Motivationsschreiben. Zudem wollen diejenigen, die entscheiden, ob Sie den Job bekommen oder nicht, auch etwas von Ihrer Persönlichkeit in der Bewerbung sehen.
Sie haben also abzuwägen, ob Sie perfekte Unterlagen vom Ghostwriter einreichen oder lieber ein Stück weit etwas Eigenes liefern wollen. Dass andere Ihre Unterlagen auf Tippfehler hin untersuchen, ist jedoch immer das Minimum.
Die professionellen Bewerbungshelfer…
Was spricht FÜR Ghostwriter?
- Sie finden Lücken im Lebenslauf und wissen, wie diese elegant zu umschreiben sind.
- Sie haben einen klaren Blick für das, was Sie können. So verhindern sie, dass Sie sich klein machen und unter Wert verkaufen.
- Sie kennen die Aussagen, die Personaler gut finden und bauen diese im Motivationsschreiben ein.
Was spricht GEGEN Ghostwriter?
- Sie sind oft nicht billig. Ca. 250 Euro sind durchschnittlich dafür anzusetzen.
- Sie bieten Ihnen keine Erfolgsgarantie.
- Sie fertigen Ihnen exzellente Bewerbungsunterlagen an, die beim Unternehmen hohe Erwartungen wecken. Diese können Sie im Jobinterview vielleicht gar nicht erfüllen. Schlimme Folge: Die Personaler fühlen sich betrogen und die Stelle bekommt jemand anderes.
Vorlagen für das richtige Format
Wenn Bekannte Ihre Bewerbung Korrektur lesen, sollten diese nicht nur auf den Inhalt achten. Auch die äußere Form entscheidet über den Erfolg und das betrifft die Formatierung. Also wie groß ist der Abstand zwischen Text und Rand? Wo steht die Adresse des Unternehmens? Welche Schrift ist zu verwenden? Die richtigen Antworten auf diese Fragen entscheiden ebenso, ob Sie den Job bekommen oder nicht. Auf der Website Lebenslauf.com oder Bewerbung.net finden Sie Beispiele, die Ihnen auf jeden Fall weiterhelfen. Nutzen dürfen Sie solche Formatvorlagen – egal, ob sie aus dem Netz kommen oder ob Sie diese von Freund*innen erhalten.
Kontakt per Twitter und Facebook aufnehmen
Eine Bewerbung per Twitter? In 280 Zeichen? Das ist in Deutschland nicht erwünscht, doch die sozialen Medien lassen sich für die Jobsuche trotzdem nutzen. Facebook und Twitter sind ideal, um den ersten Kontakt zu Personalern herzustellen. Ihnen können Sie Fragen über das Unternehmen und das Bewerbungsverfahren stellen. Natürlich können Sie auch Freund*innen auf diesen Kanälen anschreiben und nach Informationen fragen, falls diese in der Firma arbeiten. Allerdings jemanden, den Sie nicht wirklich kennen, anzuschreiben und dazu auszuquetschen, macht keinen guten Eindruck – also lieber lassen.
Informationen über ein Unternehmen bekommen Sie auch über Bewertungsportale wie kununu oder jobvoting. Auf diesen Websites erfahren Sie, wie andere, die schon bei einem Unternehmen gearbeitet haben, die Unternehmen einschätzen. Wie sind die Kolleg*innen und Vorgesetzte? Wie gut die Bezahlung? Welche Aufgaben gibt es dort? Sie erhalten einen Eindruck des Unternehmens, doch glauben Sie nicht alles und lesen Sie zwischen den Zeilen. Da diese Seiten öffentlich sind, ist es vollkommen in Ordnung, sich darüber zu informieren.
Checkliste für die Bewerbung
Das ist erlaubt:
- Jemand liest Ihre Bewerbung Korrektur und sucht Rechtschreibfehler.
- Freunde oder Bekannte schiessen das Bewerbungsfoto.
- Sie bezahlen einen Profi dafür, dass er Ihr Motivationsschreiben verfasst.
- Sie suchen im Netz Vorlagen oder jemand gibt Ihnen Vorlagen für das Anschreiben und den Lebenslauf.
- Informationen über das Unternehmen holen Sie sich über Bewertungsportale.
- Sie nutzen Facebook, Twitter & Co., um mehr über die Firma und die Abläufe dort zu erfahren. Einschränkung: Sie fragen nur die Personaler und wirkliche Freunde.

