Fragen in Bewerbungsgesprächen – Welche sind beliebt? Welche sind verboten?

Deine Bewerbung wurde akzeptiert und du bist zu einem Vorstellungs­gespräch eingeladen. Jetzt ist es wichtig, sich gut darauf vorzubereiten. Hier sind einige Fragen, die Personal­verantwortliche oft stellen.

Häufige und unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch - Bewerberin und Interviewerin in Business-Umgebung im Gespräch

SearchHerzlichen Glückwunsch! Deine Bewerbung wurde angenommen und nun wurdest du bei deinem Wunsch­arbeit­geber zu einem Gespräch eingeladen. Damit ist die erste Hürde genommen. Jetzt gilt es, sich gut auf das Bewerbungs­­gespräch vorzubereiten. Wir haben einige Fragen gesammelt, die in solchen Situationen gerne von Personalern gestellt werden – und einige, die nicht erlaubt sind.

Wie du auf klassische Fragen im Bewerbungs­gespräch antworten kannst

Natürlich kannst du nicht alle Fragen vorhersehen, die dir im Jobinterview gestellt werden. Personaler­*innen haben unterschiedliche Heran­gehens­weisen und individuelle Methoden. Einige Fragen kommen so oder in einer ähnlichen Form jedoch sehr häufig vor und du solltest dir bereits im Voraus überlegen, wie du darauf reagieren willst.

1. Erzählen Sie mal etwas von sich.­

Das ist deine Chance, die Talente und Erfahrungen heraus­zustellen, die dich ausmachen. Stell dich kurz vor und hebe deine relevanten Berufs­erfahrungen hervor. Liste aber nicht einfach die Stationen deines Lebenslaufs auf, sondern mach deine Persönlichkeit sichtbar, was dich als Arbeit­nehmer ausmacht und was dich beruflich an deiner Branche besonders begeistert und motiviert.

Stell dir diesen Teil wie eine gut erzählte Kurz­geschichte vor; keinen Roman oder den Drei-Stunden-Film im Kino. Wen holt sich die Firma ins Haus? Eher die Macherin oder den Problem­löser? Eher die Expertin oder den Allrounder? Es geht darum, gleich zu Beginn deine Geschichte zu erzählen und welche Rolle du spielen wirst/kannst.

2. Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?

Bei der Beantwortung dieser Frage solltest du deine Stärken im Kontext der Position präsentieren und darauf achten, konkrete Beispiele zu geben. Bei den Schwächen ist es wichtig, ehrlich zu sein, aber auch aufzuzeigen, wie du daran arbeitest, diese zu verbessern. Natürlich sollten die Schwächen, die du nennst, auch nicht so gravierend sein, dass sie sich weniger kompetent oder professionell wirken lassen.

Unser Top-Tipp: Lege dir ein Beispiel für die Beschreibung einer Schwäche zurecht. Am besten auch in Form einer kleinen Geschichte. „Im letzten Jahr gab es eine Situation, in der ich einfach zu schnell war. Ich habe mich unter Druck setzen lassen und da ist mir ein Fehler passiert. Ich bin dann aber sofort auf meinen Chef zugegangen, habe die Sache erklärt und Vorschläge für die Lösung gemacht. Was ich daraus gelernt habe: Druck auch mal aushalten und lieber eine Nacht drüber schlafen als hektisch zu reagieren.“

3. Was sind Ihre beruflichen Ziele?

Hier ist es wichtig, dass du eine klare Vorstellung davon hast, wo du dich beruflich in den nächsten Jahren siehst und wie die ausge­schriebene Stelle zu diesen Zielen passt. Betone deine Ambitionen und deinen Wunsch nach persönlicher und professioneller Weiter­entwicklung.

Wichtig ist hier: Realismus. Es bringt nichts, zu sagen „Ich will in fünf Jahren Chefin sein und den Laden hier übernehmen!“

4. Warum verlassen Sie Ihren aktuellen Arbeitgeber?

Bei dieser Frage ist Finger­spitzen­gefühl gefragt. Wenn du schlecht über deine alten Chefs und Kollegen sprichst, macht das auf deinen zukünftigen Arbeit­geber keinen guten Eindruck, denn Diplomatie und Loyalität sind wichtige Eigen­schaften guter Mitarbeitender. Sei diplomatisch und beziehe dich darauf, wie die ausge­schriebene Stelle besser zu deinen Zielen passt als deine alte Rolle, oder zeige auf, dass du in der alten Rolle bereits alles erreicht und gelernt hast, was du konntest.

Lass dich auch durch mehr­maliges Nachfragen nicht aufs Glatteis führen bzw. zum Antworten verführen.

5. Warum wollen Sie bei uns arbeiten?

Die Personaler wollen hier keinen Schwall an Komplimenten hören, sondern heraus­finden, wie gut du zu der Stelle passt und wie klar dein Bild von diesem Job und der Firma ist. Zeige bei dieser Frage, dass du das Unter­nehmen, bei dem du dich bewirbst, gut kennst und recherchiert hast. Dein Arbeit­geber will wissen, dass du gut verstehst, was die Firma ausmacht, und dass du ein klares und realistisches Bild davon hast, was du dort erreichen kannst und willst.

Sprich auch nicht nur davon, was dir der Job bringen würde, sondern darüber, warum du eine besondere Bereicherung für das Unter­nehmen bist. Zeige, welche deiner Talente und Persönlich­keits­merkmale für dein zukünftiges Team eine besondere Bereicherung sind.

Denk auch daran, sowohl deine potenzielle Rolle als auch die Branche des Unter­nehmens oder der Kunden und Geschäfts­partner zu erwähnen, mit denen du unter Umständen arbeiten würdest. Identifziere dich mit den Werten deines angestrebten Arbeit­gebers. Bewirbst du dich zum Beispiel bei einem Reise­veranstalter, könntest du betonen, wie sehr dir das Reisen am Herzen liegt, weil es den Horizont erweitert, Toleranz fördert und man dabei viel lernen und sich weiter­entwickeln kann und wie gerne du anderen Menschen diese Erfahrung ermöglichen willst.

6. Können Sie mir ein Beispiel für eine Heraus­forderung nennen, die Sie erfolgreich gemeistert haben?

Wähle ein Beispiel aus deiner beruflichen Vergangenheit, dass deine Fähig­keiten und Talente hervor hebt. Beschreibe das Problem – ohne Geschäfts­geheimnisse zu verraten, versteht sich – und den Prozess, wie du eine Lösung gefunden und umgesetzt hast. Das Problem darf nicht zu klein sein, noch wichtiger ist aber, dass der Lösungsweg deine Stärken und deinen Einfalls­reichtum zeigt. Immer gut ist es übrigens, wenn deine Lösung messbare Veränderungen gebracht hat – also eine Zeitreduzierung, eine Umsatz­steigerung oder neue Kunden.

Wenn du selbst fragen sollst – oder eine Antwort unmöglich ist

7. Haben Sie noch Fragen an uns?

Die Antwort ist immer: Ja! Bewerbungs­gespräche sind nicht nur dazu da, um dich selbst vorzustellen, sondern auch dafür, dass du ein klareres Bild vom Unter­nehmen und deinem zukünftigen Job bekommst. Überlege dir im Voraus, was du genau erfahren möchtest. Das zeigt Interesse. Stelle intelligente Fragen – wenn du die Antwort auch einfach hättest googlen können, wirkst du unvorbereitet. Und konzentriere dich auf die Aufgaben, das Team und das Unter­nehmen. Wer bei erster Gelegenheit sofort nach Urlaubs­tagen und Freizeit­angeboten fragt, wirkt nicht zuverlässig und motiviert.

Du kannst dich z. B. auch auf aktuelle Medien­berichte beziehen. „Sie haben gerade einen neuen Standort in ABC eröffnet – ist das Teil einer größeren Ausbau­strategie?“ oder „Letztes Jahr wurde das neue Produkt ABC vorgestellt – was ist in diesem Jahr noch geplant?“

8. Unangenehme und unlösbare Fragen

Nicht selten stellen Personaler dir eine Frage, von der sie wissen, dass du sie mit deinem jetzigen Wissen nicht beantworten kannst. Keine Panik. Solche so genannten „Trigger-Fragen“ sind darauf ausgelegt, zu testen, wie du dich in Stress­situationen verhältst und wie du auf Unvorher­gesehenes reagierst. Sie sollen auch deine Denk­fähig­keiten aufzeigen. “Wie viele Ein-Euro-Stücke passen in einen Klein­wagen?” oder “Wie viele Nieten wurden am Eiffelturm verbaut?” Es geht nicht immer darum, die „richtige“ Antwort zu kennen, sondern darum, welche Heran­gehens­weise du wählst. Sei ehrlich, wenn du etwas nicht weißt, und erkläre danach, wie du das Problem lösen oder woher du mehr Informationen holen würdest. Lass dich nicht verunsichern und gib eine reflektierte und kreative Antwort.

Das geht zu weit! Unzulässige Fragen im Bewerbungs­gespräch

Oft stellen Personaler absichtlich provozierende Fragen, um zu testen wie Bewerber­*innen auf schwierige oder stressige Situationen reagieren. Doch bei aller Provokation gibt es einige Dinge, die im Bewerbungs­gespräch nicht gefragt werden dürfen. Diese Art von Fragen darf dein aktueller oder potenzieller Arbeit­geber dir nicht stellen:

  • Fragen zum aktuellen Familienstand oder zu Heiratsplänen
  • Fragen zu Kinderwunsch oder Schwangerschaft
  • Fragen zum Partner oder dessen Job
  • Fragen zur sexuellen Orientierung
  • Fragen zur Religion oder der politischen Einstellung
  • Fragen zu deinem Vermögen
  • Fragen zu deiner ethnischen Herkunft
  • Fragen zu Vorstrafen
  • usw.

Laut einer Umfrage der Anti­diskrimierungs­stelle des Bundes wissen viele Bewerber­*innen leider nicht ausreichend darüber Bescheid, welche Fragen im Bewerbungs­gespräch erlaubt sind und welche nicht. Solche Fragen kommen aber leider allzu oft im Jobinterview vor – manchmal mit Absicht, zuweilen aber auch einfach aus Versehen, weil die Personaler selbst nicht wissen, dass die Frage nicht erlaubt ist.

Das ist aber kein Grund für dich, das einfach so hinzu­nehmen! Alle Fragen nach den in § 1 AGG (Allgemeines Gleich­behandlungs­gesetz) geschützten Merkmalen sind im Bewerbungs­gespräch nicht erlaubt.

Was soll ich tun, wenn verbotene Fragen gestellt werden?

Bewerbungsgespräche sind in der Regel keine erholsame Angelegenheit und ein bisschen Stress ist vorprogrammiert. Das ist aber etwas ganz Anderes, als sich wegen einer unange­messenen Frage unwohl zu fühlen.

Ganz wichtig: Wenn der Personaler dir eine unzulässige Frage stellt, musst du nicht wahrheits­gemäß antworten. Das kann eine schnelle Methode sein, um die unangenehme Situation zu beenden. Überlege dir aber, ob du wirklich mit jemandem zusammen­arbeiten willst, der solche gesetzlichen und ethischen Grenzen überschreitet.

Im Grunde hast du zwei Möglich­keiten, mit verbotenen Fragen im Bewerbungs­gespräch umzugehen:

1. Ausweichen und das Thema wechseln

Du kannst dich entscheiden, die Frage generell nicht zu beantworten und freundlich, aber bestimmt zu einem anderen Thema überzugehen. Stelle zum Beispiel selbst eine für den Job relevante Frage zur Firma und ignoriere, dass eine unzulässige Frage gestellt wurde. Oder tu sie mit einer humor­vollen Bemerkung ab.

2. Direkt ansprechen

Grenzen zu setzen ist auch im Bewerbungs­gespräch wichtig. Wenn du den Personaler direkt konfrontieren möchtest, kannst du ihn darauf aufmerksam machen, dass die Frage nicht erlaubt ist, z. B. „Ich bezweifle, dass das für die Stelle relevant ist“, „Finden Sie nicht, das geht ein bisschen zu weit?“ oder „Über solche Themen möchte ich heute nicht sprechen.“ Sollten sich die unzulässigen Fragen wieder­holen oder der Personaler nicht locker­lassen, überlege, ob du das Gespräch abbrechen willst.

Zuweilen werden verbotene Fragen auch nicht direkt gestellt, sondern dein Gegenüber versucht über Umwege und Andeutungen, an dieselben Informa­tionen zu kommen. Lass dich nicht ins Boxhorn jagen! Auch auf solche Methoden musst du nicht antworten – und wenn du es tust, musst du nicht die Wahrheit sagen.

Fragen über Fragen – und gute Antworten!

Jedes Bewerbungs­gespräch sieht anders aus – wenn du aber gut vorbereitet ins Gespräch gehst und für die häufigsten Fragen eine gute Antwort parat hast, bist du gleich viel selbst­bewusster. Denk daran, dass du auch bei vorbereiteten Themen authentisch bleibst und deine Persönlichkeit gut präsentierst.

Viel Erfolg!

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