Menschen im wahren Leben kennenzulernen ging bisher einfach - man kommuniziert mit Stimme, Stimmlage, Gestik, Augenkontakt... Meistens entsteht ein spontanes Gespräch, man entdeckt Gemeinsamkeiten und der Rest ergibt sich von selbst. Die Vernetzung über professionelle Karriere-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn fühlt sich für viele, insbesondere ältere Menschen immer noch “unnatürlich” an und stellt oft eine Barriere dar.
Dabei weiß jeder, dass professionelles Kontaktknüpfen entscheidende Vorteile in der eigenen Karriere bietet. Dass soziale Karriere-Netzwerke einen viel größeren Pool an interessanten Kontakten bereithalten als ein einzelnes Event, ist auch klar. Häufig finden sich Artikel, die über die Wichtigkeit von guten Netzwerken - ohne auch nur einen Hinweis zu geben, wie dieses genau aufzubauen ist. Ziele ohne Fahrplan sind jedoch meist nutzlos.
Der Knackpunkt ist, dass viele gar nicht wissen, wie Sie den ersten Schritt machen sollen - jemanden anzusprechen, den Sie noch nie “live” gesehen haben. Experten auf diesem Gebiet erhalten dazu jede Woche dutzende von E-Mails. Was bewegt Menschen dazu, einige Anfragen zu beantworten und andere nicht?
Was ist beim Vernetzen wichtig
Gestalten Sie Ihr Profil übersichtlich und vollständig
Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine Facebook Anfrage von einer fremden Person. Sie haben weder gemeinsame Kontakte, noch wissen Sie, wo die Person wohnt oder wie sie aussieht. Sie würden die Person sicherlich nicht als Freund bestätigen. So ähnlich ist das auch bei Xing oder LinkedIn aus, auch wenn es hier weitaus üblicher ist, sogar unbekannte Kontakte zu bestätigen. Allerdings erwägen wir nur dann eine Person in unser Netzwerk aufzunehmen, wenn wir zumindest erfahren, welche gemeinsamen Kontakte wir haben, was die Person macht und wo sie arbeitet.
Background Check
Informieren Sie sich zunächst über die Person - und zwar nicht nur über deren professionelles Netzwerkprofil. Gibt es Interviews mit der Person, hat sie oder er einen eigenen Blog, Website oder ein eigenes Buch veröffentlicht? Gibt es gemeinsame Kontakte? Diese Informationen helfen nicht nur dabei spannende Fragen zu beantworten, sondern auch Gemeinsamkeiten zu identifizieren, die dann als Gesprächsöffner dienen können. Gemeinsamkeiten helfen ungemein, die Aufmerksamkeit Ihres Kontaktes zu erhalten und sogar Vertrauen aufzubauen - sei es die gleiche Universität, an der Sie studiert haben, die gleiche Stadt, in der Sie aufgewachsen sind oder das gleiche Event, das Sie besucht haben.
Short and sweet
Wenn Ihr auserwählter Kontakt das erste Mal eine Anfrage von Ihnen liest, ist seine Aufmerksamkeitsspanne meist sehr gering. Sie können sich ausschweifende Hintergrundbeschreibungen zu Ihrer Person sparen - das übernehmen schließlich LinkedIn und Xing für Sie! Kommen Sie schnell zum Punkt - in ca. 3-5 Sätzen!
Erläutern Sie kurz, wie Sie die Person entdeckt haben, warum Sie sie interessant finden und wo die Verbindung zu Ihrer Position oder den gemeinsamen Themen ist! Versuchen Sie dabei präzise zu sein, ohne gleich große Anfragen zu stellen (kurzes Telefonat von 15 Minuten, um Ihre Meinung zu Thema X zu hören, statt gleich ein Treffen). Sie müssen es der Person so einfach wie möglich machen, Ihrer Bitte zu folgen.
Geben vor Nehmen
Wenn Sie eine Person anschreiben, ist es offensichtlich, dass die Person etwas hat, dass Sie spannend finden. Etwa durch eine Expertise oder durch die Arbeit in einem spannenden Unternehmen. Jedoch lohnt es sich zunächst darüber nachzudenken, was Sie der Person anbieten können - und sei es nur ein spannender Artikel zu seinem oder ihrem Themengebiet. Vermeiden Sie, die erste Kontaktaufnahme mit großen Bitten zu beginnen. Wenn Sie einen neuen Job im gleichen Unternehmen suchen, hört sich das nach jeder Menge Verantwortung für die Person an. Fragen Sie lieber etwas Interessantes zur Arbeit - Sie sollten die Beziehung langsam aufbauen.
Zeigen Sie aufrichtiges Interesse
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen Anfragen ins Blaue verschicken! Ohne Text, ohne irgendeinen ersichtlichen Bezug. Selbst wenn solche Anfragen angenommen werden, bleiben sie wertlos, da die kontaktierte Person den- oder diejenige nicht zuordnen kann. So passiert es leicht zu einer Karteileiche zu werden! Manche Menschen denken sich: “Irgendwann brauche ich mal jemanden aus diesem Unternehmen und dann ist der Kontakt schon vorhanden.” Falsch! Im System vielleicht schon, aber im Gedächtnis sicher nicht! Und genau das ist es, was im Endeffekt zählt - die Netzwerke sind nur ein Hilfsmittel. Das eigentliche Kontaktknüpfen müssen Sie selbst betreiben. Dabei helfen Punkt 1 und 2!
Starten Sie Jetzt!
Vielen Menschen fangen oft erst dann an zu networken, wenn sie konkret etwas brauchen. Sei es ein Start-up Gründer, der nach einem IT-Spezialisten sucht, oder ein PR-Manager, der sich in einer anderen Branche neu orientieren möchte. Viel sinnvoller ist es, schon vorher Kontakte zu knüpfen. Entweder sobald man weiß, dass man eventuell in einem Jahr ein neues Projekt wagen will, oder generell Interesse an einer bestimmten Industrie besteht. Das gibt Zeit, die Art von Langzeitbeziehungen aufzubauen, die später so wertvoll sein können.
Generell ist es nie verkehrt, ein großes und vor allem enges Netzwerk an verschiedenen Kontakten zu pflegen!

