Was macht eigentlich ein Industrie­kletterer?

Was ist ein Industrie­kletterer? Wir stellen vor, was ein Industrie­­kletterer macht und alles können muss. Jetzt mehr erfahren.

Arbeiter oben auf Stromturm

Wissen Sie, was ein Feel Good Manager macht oder ein Industrie­kletterer? Wir starten in schwindel­erregender Höhe und zeigen, was ein Industrie­kletterer alles können muss.

Hoch oben auf der Windkraft­anlage ist ein Rotor­blatt kaputt. Ein Strom­mast braucht einen neuen Anstrich. Die Fassade eines Kaufhauses muss gereinigt werden. Oder auf einem Hochhaus soll das Unternehmens­logo angebracht werden. Für all diese Arbeiten in schwindel­erregender Höhe können oftmals weder Kran noch Gerüst weiterhelfen. Hier ist Spiderman gefragt – oder der Industrie­kletterer. Im Vergleich zum Action­helden verfügen sie zwar über keine Spinnen­netze. Sie seilen sich an. Ein anspruchs­voller und ungewöhnlicher Beruf in großen Höhen oder an schwer zugänglichen Orten.

Industrie­kletterer zählen zu gefragten Profis, die immer wichtiger werden. Denn die Gebäude in Städten und auf Industrie­anlagen sind zunehmend höher und schwerer erreichbar. Ingenieur­kunst ermöglicht immer höhere Brücken, Staudämme und Silos. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien macht ihren Einsatz auf Windrädern zur Wartung und Reparatur notwendig. Denn selbst wenn manche Arbeiten mit einer riesigen Hebebühne erledigt werden könnten: Industrie­kletterer schaffen es schneller und vor allem günstiger als die Großtechnik.

Schwindelfrei hoch hinaus

Trotz der hohen Anforderungen ist ein bestimmter Bildungsgang nicht vorgeschrieben. Es gibt jedoch Schulungs­zentren für seil­unterstützte Arbeits­verfahren, die anerkannte Grund- und Aufbau­kurse für Höhen­arbeiter anbieten. Eine staatliche Förderung ist teilweise möglich. Der Fach- und Interessen­verband für seilunter­stützende Arbeits­techniken (FISAT) zertifiziert Ausbildungs­stätten und prüft die Einhaltung der festgelegten Mindest­anforderungen. Die Ausbildung ist jedoch nicht mit Sport­klettern zu vergleichen. Sie legt besonders viel Wert auf Seiltechnik, Material­kunde und Rettungs­verfahren. Gefragt sind Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Sicherheits­denken, Verantwortungs­bewusstsein und Team­fähigkeit. Denn bei den spannenden Aufgaben sollte die Gefahr nie verkannt werden. Grund­voraus­setzungen für diesen Beruf sind neben Schwindel­freiheit vor allem körperliche Fitness und hand­werkliches Geschick.

Klettern allein reicht nicht

Denn das Erklimmen der Anlagen ist eher der Weg zur Arbeit und nicht der Job selbst. Für den eigentlichen Auftrag muss der Ort nur schnell und sicher mithilfe von Seiltechnik erreicht werden. Wer Industrie­klettern lernt, bringt oft bereits eine andere Ausbildung mit. Viele sind Handwerker, Techniker, Monteure, Gebäude­reiniger oder Sach­verständige. Jedoch ist eine abgeschlossene Ausbildung keinesfalls zwingend erforderlich. Viele Firmen bieten Dienst­leistungen an, für deren Verrichtung ein gewisses Maß an technischem Verständnis und hand­werklichem Geschick ausreichen. Natürlich gibt es auch Tätigkeiten, die eine hohe Spezialisierung jenseits der Kletter­künste erfordern. Service­techniker für Windkraft­anlagen oder Brücken­bau­ingenieure zählen dazu.

Wer sich diese Tätigkeit zutraut, wird oft mit ganz besonderen Erlebnissen belohnt. Wer sonst darf an der Fassade großer Konzerne herum­krakseln, Jahrhunderte alte Kirchen bezwingen und weltweit den Bau spektakulärer Gebäude begleiten?

Erleben Sie im Video Industriekletterer im Einsatz - Welt der Wunder