Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Diese Tatsache ist in der Unternehmenswelt allseits bekannt. Einige Menschen sind der Meinung, das Problem der Ungleichheit sei inzwischen gelöst – doch die Datenlage zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Frühere Studien haben zwar die Problematik aufgezeigt, doch oft ohne konkrete Lösungsvorschläge zu unterbreiten.
Dies wollten wir ändern. Die ManpowerGroup wurde von der “Women's Business Enterprise National Council (WBENC)” als “Top Corporation for Women Business Enterprises” geehrt. Wir wissen, wie wichtig Frauenförderung in Unternehmen ist und kennen die konkreten Schritte, die zum Erfolg führen. Von unseren Mitarbeiter*innen und weiteren Unternehmen wollten wir wissen, wie sich die Gleichstellung von Frauen beschleunigen lässt. Das Ziel war die Erarbeitung praxisorientierter Empfehlungen. Diese sollen Unternehmen dabei helfen, den Durchbruch zu schaffen, um sich der bewussten Gleichstellung zu nähern.
Eine qualitative Studie erfolgte im Rahmen von Tiefeninterviews mit 222 Führungskräften weltweit. Die Stichprobe umfasste Unternehmen mit mehr als 500.000 Angestellten in 25 Ländern. Befragt wurden weibliche und männliche Nachwuchsführungskräfte und etablierte Führungskräfte im Alter von 28 bis 59 Jahren.
Das resultierte in eindeutigen Schlussfolgerungen: Anstatt unaufhaltsam über „Diversity“ zu reden, sind konkrete Schritte umsetzen. Nur dann lassen sich auch konkrete Ergebnisse erzielen. Um den Weg für mehr Frauen in Führungspositionen schneller freizumachen, ist folgender Leitfaden entstanden.
7 praktische Tipps für mehr weibliche Führungskräfte in Unternehmen
1. Ändern Sie Ihre Haltung
Wenn Sie selbst nicht dahinterstehen, wird sich auch nichts ändern. Wandel muss authentisch sein. Andernfalls vermitteln Sie den Eindruck, dass es sich bloß um eine kurzzeitige Masche handelt. „Sie alle können in diesem Unternehmen eine Führungsrolle übernehmen, wenn Sie es nur wollen. Ihnen stehen alle Möglichkeiten offen.“ Jonas Prising, Chairman & CEO, im Gespräch mit 16 weiblichen Nachwuchsführungskräften.
2. Die Verantwortung muss bei der Unternehmensleitung liegen. Delegieren Sie diese Aufgabe nicht
Der CEO muss die Verantwortung für dieses Thema übernehmen. Gendergerechtigkeit lässt sich nicht an die HR-Abteilung delegieren. Wenn das Engagement authentisch und im Einklang mit der Unternehmensstrategie sein soll, hat die Führungsspitze die Veränderungen anzustoßen. Sie hat mit gutem Vorbild vorangehen, die HR-Abteilung kann diesen Prozess unterstützen. Letztlich muss der CEO an dieses Ziel glauben und es verkörpern, denn der CEO muss den Wandel von der Unternehmensspitze aus anstoßen.
3. Fragen Sie sich: „Warum eigentlich nicht?“
Zeigen Sie mehr Mut bei der Nachfolgeplanung. Anstatt zu sagen: „Sie hat nicht genügend Erfahrung“, sollten Sie sich fragen: „Wie können wir zu ihrem Erfolg beitragen?“ Stellen Sie althergebrachte Ansichten infrage. Wenn Sie an etwas glauben, dann können Sie es auch verwirklichen.
Wir müssen uns auch der Frage stellen, ob Frauen in unserer Nachfolgeplanung ausreichend berücksichtigt werden. Wenn die Antwort nein lautet, warum ist dies der Fall? Was können wir tun, um den weiblichen Führungsnachwuchs aufzubauen? Es geht also um konkrete Schritte.
4. Stellen Sie Mitarbeiterinnen ein, die sich für andere Menschen interessieren.
Diese Mitarbeiterinnen werden sich dafür einsetzen, dass das vorhandene Potenzial ausgeschöpft wird – auch das der Frauen. Diese sind offen dafür, neue Strategien zur Erreichung einer Work-Life-Balance zu entwickeln. Sie beurteilen Leistung anhand von Qualität und Ergebnissen und nicht aufgrund von physischer Anwesenheit. Diese werden Menschen unterstützen, die ihre Karriere phasenweise planen und organisieren und nicht bloß die Karriereleiter erklimmen wollen.
5. Setzen Sie sich für eine Kultur der bewussten Gleichstellung ein.
Maßnahmenpläne allein reichen nicht aus und auch wenn sie standardisiert sind, führen sie nicht zum Erfolg. Das haben die letzten drei Jahrzehnte gezeigt. Mit Maßnahmenplänen lassen sich keine Verhaltensänderung und kein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis erreichen. Tatsächlich können solche Programme eine selbstzufriedene Haltung fördern, bei der Aktivitäten statt Erfolge belohnt werden.
Die leitenden Führungskräfte und Top-Entscheider haben sich für die Schaffung einer Kultur der Gleichstellung einzusetzen. Die HR-Abteilung kann den Wandel unterstützen und Schulungen können das Bewusstsein der Mitarbeitenden schärfen. Die Unternehmenskultur selbst ist von der Führungsriege zu verändern. Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, in der bewusst über Gleichstellung nachgedacht wird – so, als wäre es ein Unternehmensziel.
6. Seien Sie konkret: Wann und wo sind Frauen gefragt?
Es reicht nicht aus, einfach nur den Frauenanteil zu erhöhen. Frauen und Männer müssen auf allen Unternehmensebenen und in allen Geschäftsbereichen präsent sein. Führungskräfte haben genau darüber informiert zu sein, in welchen Bereichen Frauen gefragt sind. Eine zahlenmäßige Teilhabe allein reicht nicht. Sie führt zu sogenannten Pink Ghettos, d. h. einer hohen Frauendichte in der Personalabteilung, der Unternehmenskommunikation und anderen „weichen“ Aufgabenbereichen. Demgegenüber die Bereiche mit operativer Verantwortung sowie Verantwortung für Gewinn- und Verlust. Um erfolgreich zu sein, benötigen Frauen Coaching, Förderung, Erfahrung und Möglichkeiten der Teilhabe.
7. Schaffen Sie Transparenz, setzen Sie messbare, realistische Ziele.
Unternehmerisches Handeln definiert sich über Ergebnisse und Ziele. Jede Einstellungs- und Beförderungsentscheidung lässt sich rechtfertigen. Doch wenn solche Entscheidungen nicht zum Durchbruch verhelfen, dann ist auch das Ziel der Gleichstellung und Gendergerechtigkeit nicht erreichbar.
Kommunizieren Sie Ihre Fachkräftestrategie und machen Sie transparent, was sich in welchem Zeitrahmen verändern soll. Behandeln Sie die Nachwuchsförderung wie ein strategisches Projekt oder ein wichtiges Investment. Wirkliche Veränderungen brauchen Zeit, Konzentration und Disziplin. „Wichtig sind klar definierte Ziele und Erwartungen, ein strukturierter Validierungsprozess und ein formales Feedback-Verfahren.
Fazit:
Alle in der Arbeitswelt teilnehmenden Menschen werden zunehmend flexibler. Unsere ehemals persönlichen Kommunikationsgeräte sind zu unentbehrlichen Arbeitsgeräten geworden. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten. Reine Büro-Präsenzzeit ist genauso ein Relikt aus der Vergangenheit, wie Bedenken gegenüber Frauen mit Familie in Führungspositionen. Leider ist beides in vielen Unternehmen noch Realität. Bei uns im Unternehmen arbeiten viele Frauen in Teilzeit UND machen gleichzeitig Karriere - weil die Unternehmenskultur das fördert, genauso wie Gendergleichheit. Das macht dann den entscheidenden Unterschied.

